Histaminliberatoren

Doch nicht nur den an sich histaminreichen Lebensmitteln sollte die Aufmerksamkeit gebühren, sondern vielmehr halte ich die sogenannten Histaminliberatoren für das größere Problem. Viele Lebensmittel listet die SIGHI als bedenklich für Personen mit Histaminose, allerdings mit einem Fragezeichen, da nicht klar ist, worin genau das Problem mit diesem Lebensmittel besteht. Am Histamingehalt kann es nicht liegen, da er besonders in pflanzlichen Lebensmitteln in kaum detektierbarer Menge besteht (wegen des geringen Proteingehalts), allerdings kommt es bei den meisten Betroffenen trotzdem zu ähnlichen Reaktionen wie beispielsweise auf fermentierte Lebensmittel. Das Problem liegt darin, dass sie zwar an sich dem Körper kein Histamin zuführen, aber im Körper zu einer Entzündungsreaktion führen und das Immunsystem anheizen, was den Körper dazu veranlasst, vermehrt Mastzellen zu produzieren bzw. die bereits in den Barrieregeweben existierenden Mastzellen vermehrt degranulieren, also Histamin ausschütten lässt, da der Körper in Alarmbereitschaft versetzt wurde. Wichtig zu wissen ist, dass neben dem Histamin hierbei auch über hundert andere Entzündungsstoffe ausgeschüttet werden wie Prostaglandine, Leukotriene… gegen die die meisten Maßnahmen, die akut gegen Histamin helfen, wirkungslos sind. Meines Erachtens nach ist dies die wichtigere Liste, und sie deckt sich zu großen Teilen mit den Verbotslisten aus anderen antienzündlichen Diäten, die auf die Heilung des Darms und das Abklingen von Autoimmunreaktionen abzielen. Dies bestätigt, dass nicht ein einzelner Stoff, Histamin, bei der Histaminose das Problem ist, sondern vielmehr auch bei der Histaminose eine Immun-, also Entzündungserkrankung vorliegt.


Um welche Lebensmittel handelt es sich hier?

Ei-Weiß (das Lysozym fördert die Darmdurchlässigkeit und Eintritt von Bakterienbestandteilen ins Blut, was Immunzellen alarmiert, deren Aufgabe es ist, Pathogene abzuwehren)

Käse (nicht nur histaminreich, sondern oft auch mycotoxin-, also schimmelbelastet; häufige Intoleranz gegen Milch-Eiweiß oder Milchzucker)

Meeresfrüchte (ich vermute eine starke bakterielle Belastung, die das Immunsystem alarmiert, sehr verderblich)

Verschiedene Getreide, Nüsse und Samen (sehr reich an darmreizenden Antinährstoffen, oftmals stark mycotoxinbelastet, Omega-6 fettsäurenreich (Ausnahme Macadamianuss), werden schnell ranzig)

Weizenkeime (stark mycotoxinbelastet, Lektine die zu einem Leaky gut führen, Ωmega-6 fettsäurenreich)

Hülsenfrüchte (sehr reich an darmreizenden Antinährstoffen)

Rukola, Spinat (sehr oxalatreich)

Avocado (Vermutlich wegen anderer biogener (Verderbnis-)Amine da meist überreif gegessen. Unreife Avocados verwenden (schmecken m.M. allerdings widerlich ;-))

Zitrusfrüchte (Ich vermute, dass der hohe Citronensäuregehalt hier das Problem ist. Wie auch bei Heidelbeeren, auf die ich genauso reagiere, wie auf oxalatreiche Sachen. Z.T. auch oxalatreich und fruktoseüberschüssig, wie Orangen und Kiwis. Für viele sind auch NEMs mit Citraten unverträglich!)

Tomaten (manche vertragen die Glykoalkaloide in Nachtschattengewächsten nicht, evtl. die Lektine aus den Samen. α-Tomatin wirkt extrem immunstimulierend. Ansonsten recht citronensäurereich und fruktoseüberschüssig)

Kakao, Kaffee (reich an Antinährstoffen, da ein Same, kann sehr mycotoxinbelastet sein)

Anderes Obst und Beeren (Fruktose ist entzündungsfördernd, z.T. auch sehr anfällig für Schimmel, Erdbeeren u. Heidelbeeren sind reich an Citronensäure und beinhalten etwas Glykoalkaloide (hauptsächlich zu finden in Nachtschattengewächsen), oft stark gespritzt)

Pilze (sehr verderblich, wahrscheinlich auch schnell Entstehung anderer biogener Amine, außerdem z.T. leichter Toxingehalt, weitere Stoffe, die das Immunsystem anregen (die z.T. medizinisch genutzt werden))

Hefe (wegen Schimmelallergie? Enthalten Orotsäure)

Gewürze (Antinährstoffreich, gerade scharfe Gewürze wirken reizend auf den Darm, trotz aller guter Eigenschaften, in Pulverform extrem anfällig für Schimmel, vor allem Aflatoxin)

Alkoholische Getränke, Essig (kann je nach Herstellungsweise sehr mycotoxinbelastet sein; Sulfite, Acetaldehyd)

Zusatzstoffe, Farbstoffe, Konservierungsstoffe (negative Wirkung auf den Körper und somit das Immunsystem in vielfältiger Weise, besonders Kinder reagieren hier empfindlich)

Glutamat, Hefeextrakt (ich vermute, dass Glutamat, was auch ein körpereigener Stoff ist, ein Problem für manche darstellen kann, da es z.T. über dieselben Enzyme wie Histamin abgebaut wird und es somit zu einem Überschuss des einen oder anderen kommen kann, besonders bei Personen, bei denen es Einschränkungen in der Enzymaktivität gibt)

Jod (? Bei mir nie ein Problem gewesen, vermutlich eher bei Personen, bei denen ein Schilddrüsenproblem oder Selenmangel besteht, was beides behoben werden sollte, da Jod und ein Hormongleichgewicht sehr wichtig sind)

 

Verschiedene Säuren können zur Mastzelldegranulation führen:

Orotsäure (Orotat; in Milchprodukten, Hefen, Schimmelpilzen)

Oxalsäure (Oxalate; in Hirse, Schokolade, Spinat, Mandeln, Soja)

Salicylsäure (Salicylate; in Kokosöl, Schalen von Obst und Gemüse, Aspirin, Kosmetik (scheine ich zu vertragen))

Citronensäure (Citrate; in Zitrusfrüchten, Johannisbeeren, Himbeeren, Ananas, Erdbeeren, Zusatzstoff E330, wird aus genetisch veränderten Schimmelpilzen gewonnen)

Benzoesäure (Benzoate; in Weihrauch, in vielen Früchten und Beeren, Milchprodukten, Honig (scheine ich zu vertragen)).

Ich habe sogar Leute kennen gelernt, die zwischenzeitlich so empfindlich waren, dass sie keine Ascorbinsäure oder Kohlensäure mehr vertrugen (vom Darm her)! Deswegen, hört frühzeitig auf euren Körper und gebt ihm genügend heilsame Nahrung, um sich wieder aufzubauen.

Weitere Erklärungen zu allgemein entzündungsfördernden Nahrungsmitteln findest du hier.


 

Mir persönlich hat auf meinem Weg am meisten geholfen, mich vor Schimmel (ich reagiere auch extrem mit meinem Immunystem auf Schimmel von außen, also aus Räumlichkeiten) und Antinährstoffen zu schützen. Oftmals können sorgfältigere Lagermethoden oder andere Zubereitungsweisen (z.B. Hülsenfrüchte im Dampfdrucktopf zuzubereiten, um Lektine zu zerstören) helfen, ohne dass gleich ganze Lebensmittelklassen gestrichen werden müssen. Aber notfalls ist dies für einen eingeschränkten Zeitraum erforderlich. Mir haben hier sehr die Grundsätze des Paleo-Autoimmune-Protokolls geholfen.

Auch hier gilt: Das Ausmaß der Unverträglichkeit auf gewisse Nahrungsmittel kann individuell sehr unterschiedlich sein. Vermutlich liegt dies an individuellen physiologischen Unterschieden, dem Mikronährstoffstatus, der Darmflora… entscheidend ist, was die wahre Ursache deiner Histaminintoleranz ist. Auf den Histaminliberatoren sollte allerdings das Hauptaugenmerk für Personen mit Mastzellaktivierungserkrankung (MCAS) liegen. Aus diesem Grund ist ein individuelles und strukturiertes Austesten mittels Ernährungstagebuch unerlässlich. Möglicherweise ist es für manche eher möglich, gewisse Lebensmittel wieder einzuführen oder es gibt noch unentdeckte Lebensmittel, die die Heilung stark einschränken, die zumindest für einen gewissen Zeitraum vom Speiseplan gestrichen werden sollten. Meistens liegen noch tiefere Gründe für eine Histaminintoleranz zugrunde, als ein bloßer Enzymmangel!


Quellen:

Hope, Janette H., and Bradley E. Hope. „A review of the diagnosis and treatment of Ochratoxin A inhalational exposure associated with human illness and kidney disease including focal segmental glomerulosclerosis.“ Journal of environmental and public health 2012 (2011).

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