Antinährstoffe

Antinährstoffe

Im Gemüse stecken viele gesunde Nährstoffe. In meiner veganen Zeit begann ich schnell, dem frischen Grün und auch all den anderen bunten Farben einen viel größeren Platz auf meinen Teller beizumessen. Ich wollte es besonders richtig machen und kein „Puddingveganer“ werden, sondern war vielmehr stark von der rohveganen Bewegung inspiriert (allerdings begann ich in der Zeit das Kochen und Backen zu sehr zu lieben, als dass ich mich dem ganz hätte hingeben können). Ich aß also vorbildlich vollwertig, buk mein eigenes Vollkorn-Sauerteigbrot und fühlte mich in vielerlei Hinsicht besser. Die Haut an sich wurde feiner, die Neurodermitisstellen wurden allerdings allmählich schlimmer und der Verdauung ging es immer schlechter. Ich hatte einen entscheidenden Fehler gemacht und eine Sache vergessen: Pflanzen wollen ebenso wenig gegessen werden wie Tiere.

Pflanzen müssen mit dem Dilemma leben, dass sie nicht weglaufen können, auch besitzen sie keine Klauen und Zähne, mit denen sie sich verteidigen könnten (auch wenn manche Dornen und Stacheln dem schon recht nahe kommen). Aus diesem Grund haben sie ihre eigenen Strategien entwickelt, um sich zu schützen. Tiere entwickeln schnell einen Instinkt dafür, was sie fressen können, und was ihnen nicht gut tut. Bei meinen Meerschweinchen und Achatschnecken fiel mir schon vor langer Zeit auf, dass sie manche Blätter mit Begeisterung fressen, an manche nur rangehen, wenn es ansonsten nichts gibt und anderes wiederum unter gar keinen Umständen anrühren. Wir Menschen haben leider größtenteils verlernt, auf unseren Instinkt zu hören, zu leicht lassen wir uns von den aktuellen Gesundheitstipps einlullen. Nun lässt sich aber nicht abstreiten, dass in den meisten Pflanzen wirklich eine Fülle an gesunden Nährstoffen und sekundären Pflanzenstoffen wie Antioxidantien und Polyphenole steckt. Aus diesem Grund geht es mir mit meinen folgenden Ausführungen auch keinesfalls darum, Panikmache zu betreiben und dir Angst vor deinen Karotten zu machen! Vielmehr möchte ich dazu aufrufen, sich geschickt anzustellen beim Umgang mit gewissen Nahrungsmitteln und sich traditioneller Zubereitungsmethoden und ein paar kleiner Tricks zu bedienen, und bei manchen Nahrungsmitteln vielleicht ein bisschen mehr Maß zu zeigen, damit wir weiterhin unsere Mahlzeiten genießen können und unser Körper das Beste aus ihnen ziehen kann. Besonders Leute wie ich, die einen recht empfindlichen Darm besitzen, sollten hier genau zuhören, wenn ich jetzt die wichtigsten Antinährstoffe vorstelle.


Protease-Inhibitoren

Protease-Inhibitoren hemmen wichtige Enzyme, die uns helfen, Protein zu verdauen, wie z.B. Trypsin. Man findet sie in besonders hoher Konzentration in Soja, aber auch in anderen Hülsenfrüchten, Getreide, Nüssen, Samen, Gemüse aus der Familie der Nachtschattengewächse (wie Kartoffeln, Tomaten, Auberginen und Goji-Beeren) sowie in anderem Gemüse und in manchen Früchten. Glücklicherweise wird durch den Kochvorgang ein Großteil der Protease-Inhibitoren zerstört. Problematisch wird es oft bei rohveganen Ernährungsformen, wo die Protease-Inhibitoren intakt in großen Mengen verzehrt werden, und der Körper deutlich weniger Protein zur Verfügung gestellt bekommt, als angenommen, da ein großer Proteinanteil aus der pflanzlichen Nahrung von unserem Körper somit nicht verwertbar ist. Dabei ist Protein essentiell in unserer Ernährung, ohne es kann kein Wachstum und keine Regeneration stattfinden, es ist wichtig für ein gut funktionierendes Immun- und Hormonsystem und Aminosäuren liefern die Vorstufen für Neurotransmitter, ohne die unser Körper, vor allem unser Gehirn, nicht funktionieren kann.

Protease-Inhibitoren in Soja erweisen sich als vergleichsweise resistent gegen Kochen, sehr gut deaktiviert werden sie allerdings durch traditionelle Fermentationsmethoden, so dass Miso, Tempeh und Natto und traditionell fermentierte Soja- und Tamarisoße fast frei von ihnen sind. Es hat seinen Grund, warum solche langwierigen und mühsamen Herstellungsmethoden so lange Bestand haben. Ein zu starkes Kochen von Soja oder die Verwendung alkalischer Lösungen, z.B. in der Herstellung von texturiertem Soja, wird nicht empfohlen, da ansonsten die essentiellen Aminosäuren Methionin und Lysin verändert werden können und zum einen dem Körper nicht mehr zur Verfügung stehen, es zum anderen zur Entstehung von Lysinoalanin kommen kann, das essentielle Mineralien binden und für den Körper unverfügbar machen, außerdem für Nierenschäden sorgen kann.1) Ich empfehle deswegen, sich an traditionelle Sojaprodukte zu halten.

Ein weiterer Punkt, der Protease-Inhibitoren so kritisch macht, ist die Tatsache, dass der Pankreas daran gehindert wird, genug Trypsin und Proteasen zu produzieren und nun versucht, dies mit einer Überproduktion an Pankreaszellen zu kompensieren, was zu Pankreaskrebs führen kann. Bei einem Versuch mit Ratten, die mit einer hohen Konzentration an Soja gefüttert wurden, kam es zu einem verminderten Wachstum durch übermäßiges Wachstum des Pankreas.2)

Protease-Inhibitoren wurden bereits mittels Gentechnik künstlich in verschiedene Pflanzen eingebracht, um sie schädlingsresistenter zu machen. 3)


 

Phytate- Phytinsäure

Phytate kommen hauptsächlich in Hülsenfrüchten, Nüssen, Getreide und Samen vor, vor allem in solchen mit sehr hohem Proteingehalt 4) und bilden Komplexe mit wichtigen Mineralien wie Eisen, Zink, Phosphor und Calcium, sodass diese vom Darm nicht mehr aufgenommen werden können.5) Sie sind mit ein Hauptgrund für viele Gesundheitsprobleme wie schlechtes Wachstum und Anämie in vielen Dritte-Welt-Ländern, in denen vegetarische Kost vorherrscht.4) Warum bildet eine Pflanze Phytate? Zum einen verhindern sie im Samen, dass er zu früh keimt, in dem sie die dafür nötigen Mineralien binden, zum anderen speichern sie das für das Pflanzenwachstum essentielle Phosphor. Erst wenn der Same sich in der idealen Umgebung befindet, in feuchter, warmer und leicht saurer Erde, soll er seine Lebenskraft entfalten. Dieses Wissen kann man sich zu Nutze machen, in dem man Nüsse, Samen (auch z.B. Quinoa, Leinsamen hingegen enthalten von Natur aus sehr wenig Phytinsäure, sie kann man in kleinen Mengen so verzehren 6)) und Hülsenfrüchte vor dem Verzehr in einem Gefäß mit Wasser einweicht, für etwa 24 Stunden, idealerweise mit einem Schuss Säure wie Essig oder Zitronensaft. Dies ist für Histaminintolerante natürlich nicht geeignet, aber auch Einweichen in purem Wasser bringt schon einen großen Nutzen, denkbar wäre auch die Verwendung von Ascorbinsäurepulver (Vitamin C). Das Einweichen „weckt“ den Samen quasi, er leitet den Keimvorgang ein. Hierbei werden außerdem gewisse Enzyme aktiviert, die auch die Verfügbarkeit vieler Vitamine, vor allem B-Vitamine (in Mais besonders Niacin) erhöhen 6)). Möglich wäre es, Nüsse und Samen nun noch über ein paar Tage weiter keimen zu lassen, aber grundsätzlich reicht das eintägige Einweichen aus. Nun kann man seine Linsen kochen oder, wenn man gerne Nüsse knabbern möchte, sie bei leicht geöffneter Backofentür bei 50°C oder im Dörrautomaten trocknen (mir schmecken sie aber auch schon so). Bei Samen wie Hülsenfrüchten, die man anschließend kocht, wird empfohlen, sie im Einweichwasser zu kochen, da beim Einweichen ein großer Teil des Eisens ins Wasser wandert und ansonsten verloren gehen würde. Phytinsäure wird, vermutlich durch das Enzym Phytase im erwachten Samen, komplett abgebaut und ist somit nicht mehr im Einweichwasser vorhanden.4) Eine weitere traditionelle Methode ist Fermentation, wie z.B. die Sauerteigführung. Brot wird auf diese Weise nahrhafter und leichter verdaulich. Fermentation ist für Histaminintolerante keine Option, leider habe ich bislang auch keine Infos darüber, ob beim Einweichen Histamin entsteht, aber ich habe es meines Erachtens immer vertragen.

Des Weiteren wurde auch bei Bakterien der Darmflora das Enzym Phytase gefunden. Eine gesunde Darmflora könnte somit für eine bessere Mineralienverfügbarkeit sorgen.5)

Wichtig zu merken: Phytate werden NICHT durch Kochen zerstört sondern nur enzymatisch abgebaut.


Lektine

Lektine sind die verbreitetesten Antinährstoffe. Diese Proteine kommen in jeder Pflanze und auch in Tieren und uns Menschen vor. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlichster Lektine in unserem Gemüse, manche Arten können schädlich oder sehr giftig sein. Hierbei sind besonders zwei Arten hervorzuheben, nämlich Prolamine und Agglutinine. Sie können auf verschiedene Weisen schädlich für uns sein. Zum einen sind sie schwer verdaulich und können zu einer Überbevölkerung an schädlichen Darmbakterien führen 5). Dann reagieren sie mit Kohlenhydraten, besonders Zuckern, die sich auf den Zellmembranen von fast jeder Körperzelle befinden 7) (auf diese Weise bestimmen Ärzte auch unsere Blutgruppe!) und können zu einem durchlässigen Darm führen 5)10)(„Leaky gut“), dadurch in den Blutstrom gelangen und zu Entzündungs- und Autoimmunsystemreaktionen führen. Agglutinine bewirken außerdem Blutzellenverklumpung, was zu Symptomen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit und Magen-Darmbeschwerden führen kann 5). Kommen sie in großer Zahl zusammen mit anderen Antinährstoffen wie Protease-Inhibitoren vor, kann der entstehende Schaden noch um ein Vielfaches höher werden. Lektine können außerdem einen Beitrag zu Übergewicht und Diabetes-Typ-2 leisten, indem sie zu Leptin- und Insulinresistenz beitragen.8)

Diese schädlichen Sorten von Lektinen kommen vor allem in Hülsenfrüchten und Getreide (Gluten setzt sich aus dem Prolamin Gliadin und Glutenine zusammen) vor. Einweichen, Keimen lassen, Kochen im Dampfdrucktopf (am besten mit etwas Natron, aber nicht trockenes Erhitzen (weswegen ich vom Backen mit Linsen- und Kichererbsenmehl abrate) und Fermentieren (hier wieder Sauerteigführung!) zerstört die meisten Lektine, in unserem Dünndarm werden sie allerdings kaum abgebaut, ein Grund, warum Hülsenfrüchte für uns im rohen Zustand giftig sind. Hülsenfrüchte mit essbaren Schoten wie Zuckerschoten besitzen einen verhältnismäßig geringen Lektingehalt, besonders problematisch bei empfindlichen Därmen sind dagegen Weizen, Kidneybohnen, Erdnüsse, Nüsse und Soja, aber auch die Lektine in Eiern (vor allem im Eiweiß), Milch (vor allem pasteurisierte Milch, Rohmilch hingegen besitzt noch eine hohe Menge an Immunglobulinen, die Lektine binden und unschädlich machen 12) und Meeresfrüchten (die typischen Nahrungsmittel, die Allergien, meist IgG-Reaktionen, auslösen!). Bei besonders empfindlichen Menschen können Lektine aus Nachtschattengewächsen zur Entstehung und Verschlimmerung von Autoimmunerkrankungen beitragen. In Getreide befindet sich übrigens ein Großteil der Lektine in der Schale, weswegen empfindliche Leute oft eine starke Verbesserung ihres Wohlbefindens spüren, wenn sie entgegen aller Ratschläge von Ernährungswissenschaftlern auf Vollkornprodukte verzichten und stattdessen auf Weißmehl und weißen Reis ausweichen.

Ein Problem von genetisch manipuliertem Gemüse ist, dass auf diese Weise völlig neue Arten von Lektinen in unsere Nahrung gelangen 11), was zu vermehrten Darmerkrankungen und Allergien führen kann. Im Pflanzenschutz werden Lektine eingesetzt, um die Ernte vor Schädlingen zu schützen.9)


Oxalate- Oxalsäure

Oxalate sind die Salze der Oxalsäure. Sie finden sich in fast allen Pflanzen, in besonders hoher Menge in dem wegen seines hohen Calcium- und anderweitigen Mineralstoffgehalts als sehr gesund geltenden dunkelgrünen Blattgemüses wie Spinat und Mangold, aber auch in Knollen, Beeren, Schokolade, Nüssen, Getreide (auch hier vor allem in der Schale) und Hülsenfrüchten 16). Ebenso kann im menschlichen Körper selbst Oxalsäure gebildet werden, durch den normalen Metabolismus 13) sowie durch Pilzinfektionen wie Candida 14)15), als auch in sehr hohem Maß durch einen sehr seltenen Gendefekt 21). Das problematische an Oxalaten ist, dass sie absolut unverdaulich sind, Calcium, Magnesium, Eisen und andere Mineralien an sich binden, sodass sie für den Körper verloren gehen und einfach ausgeschieden werden, und vor allem, dass sie Ablagerungen und sehr scharfe, schmerzhafte Kristalle in jedem Körpergewebe bilden können, die zu Entzündungsreaktionen führen. Die bekanntesten dürften Nieren- und Blasensteine sein 19), Betroffene beschreiben die Schmerzen als schlimmer als bei einer Geburt. Oxalatkristalle können sich aber in jedem Körpergewebe ablagern wie in den Gelenken, der Haut, der Schilddrüse, in Arterien, der Lunge, der Scheide, in den Augen, im Herz und sogar im Gehirn 18). Oxalate können schmerzhafte Kristalle in den Muskeln bilden und somit einen Beitrag für Fibromyalgie darstellen. Oxalatkristalle in Knochen können Knochenmarkzellen verdrängen und somit zu Anämie und Immunosuppression führen 17). Wahrscheinlich spielen sie auch eine Rolle bei Schlaganfällen und Arteriosklerose 20). In Körpergewebe abgelagerte Oxalate fördern die Entstehung freier Radikale, sind also unmittelbar giftig für die Körperzellen 21). Oxalate werden im direkten Zusammenhang mit mitochondrialer Dysfunktion angesehen.

Frostschutzmittel ist aus dem Grund so giftig, da es im Körper zu Oxalaten verstoffwechselt wird 24).

Hohe Oxalatmengen im Körper liegen oftmals bei Autismus vor26)27), durch eine oxalatarme Ernährung kann in vielen Fällen eine deutliche Besserung des Verhaltens und körperlichen Befindens erzielt werden 22) 23)25)26)27).

Die Gefängnisinsassen des Staates Illinois haben den Staat verklagt und befinden sich derzeit im Rechtsstreit, da ihr Fleisch aufgrund von Sparmaßnahmen durch große Mengen an texturiertem Soja ersetzt wurde, welches extrem reich an Oxalaten ist und was zu schwerwiegenden Gesundheitsproblemen unter den Insassen geführt hat 33).

Das klingt alles zunächst einmal sehr dramatisch, aus diesem Grund möchte ich nun die Ursachen für eine erhöhte Oxalatresorption beleuchten und was man ganz praktisch unternehmen kann, ohne jetzt massenhaft Lebensmittel vom Speiseplan zu streichen. Als sehr aufschlussreich hat es sich erwiesen, autistische Kinder genauer zu betrachten, denn sie sind trauriger Weise einfach führend, was die Empfindlichkeit auf viele Lebensmittel anbelangt. Hier zeigt es sich wieder, dass der Gesundheitszustand des Darms ausschlaggebend ist. Zum einen fördert schlechte Fettverdauung durch einen Mangel an Gallenflüssigkeit zu einer erhöhten Absorption, ebenso wie ein entzündeter und durchlässiger Darm („Leaky-Gut-Syndrome“) oder auch chronische Verstopfung 22). Ein ebenso großes Problem stellt ein früher und häufiger Antibiotikaeinsatz dar, da Antibiotika nicht nur die schädlichen, sondern auch viele nützliche Bakterien ziellos töten, in diesem Fall sind es Bakterien wie Lactobacillus acidophilus und vor allem Oxalobacter formigenes, die sich im Darm von Oxalaten ernähren 28)30). Außerdem führen Antibiotikaeinsätze zur starken Ausbreitung von oxalsäureproduzierenden Darmpilzen, da viele Bakterien, die sie normalerweise in Schach halten, abgetötet werden. Dies stellt auch ein enorm großes Problem bei Frauen dar, die an Blasen- und Harnwegsinfekten leiden. Diese sind ebenso assoziiert mit Oxalatkristallablagerungen, durch die üblichen Antibiotikagaben wird Oxalobacter formigenes weiter dezimiert, Pilze können sich ausbreiten und die Patientin somit in einen üblen Teufelskreis gelangen 29). Eine Heilung des Darms mit Aufbau der Darmflora wäre hierbei also der entscheidende Schritt.

Um erst gar nicht zu viele Oxalate über die Nahrung aufzunehmen, können auch bei der Zubereitung ein paar Dinge beachtet werden. Eine Möglichkeit ist es, oxalatreiches Gemüse in fermentierter Form zu sich zu nehmen, um dem Körper direkt die benötigten Darmbakterien zuzuführen. Da dies für Histaminintolerante nicht in Frage kommt, bleibt ihnen noch, oxalatreiche Nahrungsmittel gut durchzukochen und das Kochwasser wegzuschütten, da sich die Oxalate im heißen Wasser lösen, wenn auch nur teilweise. Backen zerstört Oxalate NICHT, sie werden durch den Wasserverlust im Gegenteil sogar noch konzentrierter! 34)35)

Ebenso wichtig ist es, nicht nur auf die Oxalsäuremenge in einem Nahrungsmittel zu schauen, sondern auf das Verhältnis zu Calcium und Magnesium, denn diese Mineralien binden Oxalate im Verdauungstrakt, sodass sie ausgeschieden werden. Ein Lebensmittel mit hohem Calcium- und hohem Oxalatgehalt ist somit unbedenklicher als eins mit niedrigem Calcium- und hohem Oxalatgehalt. Hier eine Liste

Ein guter Trick ist es, mit diesem Hintergrundwissen, einfach ein Calcium- oder Magnesiumpräparat mit jeder Mahlzeit einzunehmen. Dr. William Shaw empfiehlt 300 mg Calciumcitrat und 100 mg Magnesiumcitrat (Citrate können bei Histaminintoleranz unverträglich sein), die direkt mit jeder Mahlzeit eingenommen werden müssen. Oder man rührt es direkt mit in seinen grünen Smoothie. Das Mineral bindet die Oxalate, während das Citrat gleichzeitig die Absorption verhindert (wahrscheinlich kommt daher auch der Brauch, Spinat zusammen mit Sahne oder schwarzen Tee mit Milch zu sich zu nehmen, was eine gute Maßnahme ist 34), sofern man Milchprodukte verträgt). Außerdem empfiehlt er täglich 100 mg Vitamin B6, was der Körper benötigt, um Oxalate in Glycin umzuwandeln, eine sehr wichtige Aminosäure (ein Vitamin B6 Mangel kann Oxalatablagerungen begünstigen, weswegen HPU- und KPU-Patienten gefährdet sind), desweiteren Omega-3-Fettsäuren, die Oxalatablagerungen im Gewebe verhindern, im Gegensatz zu Omega-6-Fettsäuren, die sie begünstigen 23)31). Ein gutes calcium- und magnesiumreiches Mineralwasser wäre eine weitere Option.

Zu guter Letzt wird dazu geraten, viel zu trinken, vor allem um Oxalatablagerungen aus den Nieren zu spülen 32). Einfach nur alle oxalatreichen Lebensmittel vom Speiseplan zu streichen wird allerdings nicht empfohlen, da dies zum einen den Speiseplan stark einschränken würde, und zum anderen eine sehr oxalatarme Ernährung den Körper dazu bringen könnte, plötzlich im großen Stil alte Oxalatablagerungen im Gewebe zu entgiften, was das System überfordern könnte, da dabei auch eingeschlossene Schwermetalle frei werden können 22).

Zusammenfassend kann ich jedem empfehlen, der an irgendeiner Erkrankung mit chronischen Schmerzen leidet wie Fibromyalgie oder Vulvodynie, es einmal mit den vorgestellten Empfehlungen zur Oxalatreduzierung zu versuchen, vor allem wer eine nicht optimale Verdauung besitzt, wie viele Neurodermitiker, aber auch ganz besonders Chemopatienten. Auch zeigt sich hier wieder, dass es nicht genügt, nur auf einen einzelnen Nährstoff zu schauen, der vielleicht in hohem Maß in einem Lebensmittel vorkommt (wie z.B. Calcium in Spinat), welcher aber aufgrund weiterer chemischer Interaktionen für unseren Körper nicht verfügbar ist. Leider sind viele Listen, die ich im Netz finden konnte, noch sehr widersprüchlich, deswegen hoffe ich, dass hier die Forschung in Zukunft ein größeres Augenmerk drauf legt. Hier die Liste, mit der ich gut gefahren bin, auf Englisch, hier noch eine deutsche Liste.


Saponine

Saponine sind bittere Stoffe, die sich in Quinoa, Hülsenfrüchten und Alfalfa, aber auch in Nachtschattengewächsen wie Kartoffeln, Tomaten und Auberginen (hier werden sie als Glykoalkaloide bezeichnet, z.B. Solanin), befinden. Von ihnen stammt der Schaum, der sich bildet, wenn man z.B. Bohnen kocht. Er kann recht bitter sein und sollte abgeschöpft, oder am besten gleich das ganze Kochwasser weggeschüttet werden. Da sie wie Tenside wirken, sind sie in der Lage, die aus Fetten bestehenden Membranen von Körperzellen zu schädigen und somit die Zellen abzutöten. Sie können bei sensiblen Personen somit zu einem durchlässigen und gereizten Darm beitragen. Hierbei haben besonders grüne Tomaten einen starken Effekt 37). Dies stellt besonders bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen ein großes Problem dar, da sie außerdem immunstimulierende Eigenschaften besitzen, weswegen das Saponin Alpha-Tomatin in Impfstoffen eingesetzt wird 36). Desweiteren können sie in geringem Umfang zur Zerstörung roter Blutkörperchen führen und die normale Funktion von Enzymen stören, wie das Verdauungsenzym Trypsin oder Acetylcholinesterase, welches für Nervenreizweiterleitung wichtig ist. Sie können teratogene (embryoschädigende) Wirkung zeigen. Hier sind besonders frische Kartoffeln, insbesondere mit Knospen und grünen Stellen, gefährlich 37). Durch Erhitzen werden sie nicht zerstört, allerdings wieder durch traditionelle Fermentation deutlich gesenkt, da gewisse Bakterienstämme ein Enzym zum Abbau von Saponinen besitzen, weswegen an dieser Stelle wieder ausschließlich fermentierte Sojaprodukte empfohlen werden. Weitere Nahrungsmittel, die Solanin in geringer Menge enthalten, sind Okra, Äpfel, Heidelbeeren, Kirschen, Artischocken, rote Bete.


Fazit: Pflanzen besitzen eine Reihe von Abwehrmechanismen, die sie nicht nur vor Insekten und anderen Schädlingen schützen, sondern auch uns Menschen Schaden zufügen können. Für sich genommen mag der Effekt zwar schwach sein, in der Regel kommen diese Antinährstoffe aber in Kombination vor und der schädigende Effekt kann sich schleichend aufbauen. Problematisch wird es, wenn mehr Schaden angerichtet wird, als der Körper reparieren kann, zumal wir auch vielen anderen schädlichen Stoffen aus der Umwelt ausgesetzt sind wie Abgasen, Pestiziden, giftigen Kosmetik– und Haushaltsprodukten und es irgendwann zu einem Punkt kommt, wo die Entgiftungs- und Reparatursysteme des Körpers überlastet werden. Aus diesem Grund möchte ich dringend empfehlen, sich die Weisheit aus jahrtausenderalter Nahrungsmittelzubereitungstradition zu Nutze zu machen und vor allem auf eine größtmögliche Bandbreite an Nahrungsmitteln zu achten. Und wer bereits Probleme mit der Gesundheit hat, allen voran mit der Verdauung, findet hier einen Ansatz auszuprobieren, was es sein könnte, das er nicht verträgt und seinem Körper vielleicht mal eine Ruhe- und Erholungspause zu gönnen. Gerade diesen Menschen möchte ich keine reine vegane- oder gar Rohkosternährung empfehlen, da die Pflanzen ihre proteinreichsten Teile, in der Regel ihre „Babys“ (Samen), ganz besonders schützen. Tierische Produkte sind, was das anbelangt, schlichtweg leichter verdaulich. Und manchmal kann man tatsächlich zu besserer Gesundheit gelangen, wenn man zumindest mal für eine Weile die gutgemeinten Ratschläge von Ernährungsexperten in den Wind schießt, auf seinen Bauch hört, und auf Vollkornprodukte verzichtet.


Quellen und zum Weiterlesen:

  1. Sarvar G, L’Abbe MR et al. Influence of feeding alkaline/ heat processed proteins on growth and protein and mineral status of rats. Ad Exp Med Biol, 1999 S.161-177.
  2. Liener IE. Possible adverse effects of soybean anticarcinogens. J Nutr, 1995. 744S.
  3. http://www.biosicherheit.de/lexikon/807.trypsin-inhibitor.html21.8.2015
  4. Lestienne, Isabelle, et al.: Effects of soaking whole cereal and legume seeds on iron, zinc and phytate contents. Food Chemistry3, 2005, S. 421-425.
  5. Thompson LU. Potential health benefits and problems associated with antinutrients in foods. Food Res Internat, 1993, 26. Jg., Nr.2, S. 131-149.
  6. Sally Fallon: Nourishing Traditions, Second edition 2001
  7. wikipedia.org
  8. Jönsson, T., et al.: Agrarian diet and disease of affluence – Do evolutionary novel dietary lectins cause leptin restistance? BMC Endocrine Disorders, 2005, 5.Jg., Nr.1, S.10
  9. Vandenborre, Gianni, et al.: Plant lectins as defense proteins against phytophagous insects. Phytochemistry 72, 2011, 72. Jg., Nr. 13, S. 1538-1550.
  10. Hajós, G., et al.: Biological Effects and Survival of Trypsin Inhibitors and the Agglutinin from Soybean in the Small Intestine of the Rat. Food Chem., 1995, 43. Jg., Nr. 1, S. 165-170.
  11. Pusztai, A., et al.: Antinutritive effects of wheat-germ agglutinin and other N-acetylglucosamine-specific lectins. British Journal of Nutrition, 1993, 70. Jg., Nr. 01, S. 313-321.
  12. bulletproofexec.com/revenge-of-the-beans-tomatoes-potatoes-lectins/ 21.8.2015
  13. Ghio, A. J., et al. „Calcium oxalate and iron accumulation in sarcoidosis.“ Sarcoidosis, vasculitis, and diffuse lung diseases: official journal of WASOG/World Association of Sarcoidosis and Other Granulomatous Disorders2 (2000): 140-150.
  14. Ghio, Andrew J., et al. „Pulmonary oxalate deposition associated with Aspergillus niger infection.“ Am Rev Respir Dis6 (1992): 1499-1502.
  15. Takeuchi, Hideo, Taira Konishi, and Tadao Tomoyoshi. „Detection by light microscopy of Candida in thin sections of bladder stone.“ Urology6 (1989): 385-387.
  16. http://www.oxalsaeure.net/oxalsaeurehaltige-lebensmittel/5.9.2015
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  18. Hall, B. M., et al. „Peripheral neuropathy complicating primary hyperoxaluria.“ Journal of the neurological sciences2 (1976): 343-349.
  19. Barot, Montu, et al. „Lithiasis: the causative sources are ureates and oxalates.“ (2015).
  20. Fishbein, Gregory A., et al. „Atherosclerotic oxalosis in coronary arteries.“ Cardiovascular Pathology2 (2008): 117-123.
  21. Leumann, Ernst, and Bernd Hoppe. „The primary hyperoxalurias.“ Journal of the American Society of Nephrology9 (2001): 1986-1993.
  22. http://lowoxalate.info5.9.2015
  23. http://www.westonaprice.org/health-topics/the-role-of-oxalates-in-autism-and-chronic-disorders/5.9.2015
  24. http://www.greatplainslaboratory.com/home/eng/Shaw-GreenSmoothie.asp5.9.2015
  25. http://www.greatplainslaboratory.com/home/eng/oxalates.asp5.9.2015
  26. Konstantynowicz, Jerzy, et al. „A potential pathogenic role of oxalate in autism.“ european journal of paediatric neurology5 (2012): 485-491.
  27. Luck, Ashley N., et al. „Human serum transferrin: is there a link among autism, high oxalate levels, and iron deficiency anemia?.“ Biochemistry46 (2013): 8333-8341.
  28. Siener, Roswitha, et al. „The role of Oxalobacter formigenes colonization in calcium oxalate stone disease.“ Kidney international6 (2013): 1144-1149.
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  30. Duncan, Sylvia H., et al. „Oxalobacter formigenes and its potential role in human health.“ Applied and environmental microbiology8 (2002): 3841-3847.
  31. https://liveto110.com/123-how-oxalates-ruin-your-health-with-dr-william-shaw/25.8.2015
  32. http://www.niddk.nih.gov/health-information/health-topics/urologic-disease/diet-for-kidney-stone-prevention/Pages/facts.aspx25.8.2015
  33. http://www.westonaprice.org/press/budget-shortfalls-hit-illinois-prison-diet/5.9.2015
  34. Oscarsson, K. V., and G. P. Savage. „Composition and availability of soluble and insoluble oxalates in raw and cooked taro (Colocasia esculenta var. Schott) leaves.“ Food Chemistry2 (2007): 559-562.
  35. Chai, Weiwen, and Michael Liebman. „Effect of different cooking methods on vegetable oxalate content.“ Journal of agricultural and food chemistry8 (2005): 3027-3030.
  36. http://www.thepaleomom.com/2012/03/how-do-grains-legumes-and-dairy-cause_29.html25.9.2015
  37. Gee, J. M., et al. „Effects of saponins and glycoalkaloids on the permeability and viability of mammalian intestinal cells and on the integrity of tissue preparations in vitro.“ Toxicology in vitro2 (1996): 117-128.

Außerdem:

  1. http://www.thepaleomom.com/2014/01/lectins-bad.html25.8.2015
  2. http://www.westonaprice.org/health-topics/plants-bite-back/25.9.2015
  3. http://www.thepaleomom.com/2012/08/the-whys-behind-autoimmune-protocol.html25.9.2015

4 thoughts on “Antinährstoffe

  • 7. Februar 2016 at 16:46
    Permalink

    Hallo,
    ich wollte mich an dieser Stelle dafür bedanken, dass du dein ganzes Wissen hier zur Verfügung stellst. Ich bin selbst betroffen, leider fehlt mir allerdings meist das entsprechende Hintergrundwissen, um die verschiedenen Ernährungsempfehlungen bei Neurodermitis beurteilen zu können. Alles worauf ich mich verlassen kann, ist mein Gefühl. Den Weg, den du gegangen bist, finde ich wirklich sehr bewundernswert. Danke nochmal für die vielen Informationen und deine motivierende Geschichte.
    Grüße

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    • Doro
      7. Februar 2016 at 17:03
      Permalink

      Hi Mimi,
      danke für deinen Kommentar, freut mich, dass du auf meine Seite gefunden hast. Ich hoffe sehr, dass ich dem einen oder anderen ein bisschen helfen oder zumindest in eine bessere Richtung bringen kann. Und ich habe mir auf meinem Weg immer gewünscht, dass es mehr Infos, vor allem auf Deutsch, zu diesem Thema gäbe, daher weiß ich wie das ist und möchte das hier nicht alles für mich behalten. Und es macht mir auch Spaß, über Ernährung und Lebensstil zu recherchieren und der Blog hilft mir, alles vernünftig zu sortieren und bringt mich immer wieder auf neue Ideen, denn auch bei mir selbst ist es noch ein stetiges „finetuning“. Ich möchte einfach zeigen, dass man immer etwas tun kann, selbst wenn einen die Ärzte aus eigenem Frust so entmutigen, bei manchen ist die Antwort halt etwas komplexer. Ich hoffe, dass du auch deinen Weg findest!
      Liebe Grüße,
      Doro =)

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  • 22. Januar 2017 at 0:54
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    Vielen Dank für die tolle Übersicht! Ich bin auf der Suche nach leicht verständlichen Büchern zum Thema Antinährstoffe hier gelandet und sehr begeistert. Nach anderthalb Jahren veganem Lebensstil bin ich erst jetzt so richtig auf dieses Thema gestoßen. Danke für deine Hilfe…

    Reply
    • Doro
      22. Januar 2017 at 9:53
      Permalink

      Hi Marisa,
      vielen Dank für deinen Kommentar, freue mich, dass du hier bist! Dann gehts dir ja ähnlich wie mir damals… das ist leider so das Problem mit den „alternativen Proteinquellen“, sie sind mit einem Haken verbunden, und ihr gibt es starke individuelle physiologische Unterschiede, was unser Darm bewältigen kann und was nicht. Ich empfehle dir zu dem Thema stark die Bücher von Sarah Ballantyne und Dave Asprey. Ich habe sie unter dem Reiter „Empfehlungen“ >> Bücher verlinkt.
      LG,
      Doro

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