Salicylatintoleranz

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Salicylate sind die Salze und Ester von Salicylsäure (o-Hydroxybenzoesäure), eine organische Säure, die zu den Phenolen zählt, und die nicht nur der wichtigste Bestandteil in Aspirin und anderen Schmerzmitteln ist, sondern auch in Kosmetikprodukten und allen Pflanzen in sehr unterschiedlicher Konzentration vorkommt. Für Pflanzen sind sie ein wichtiger Teil ihres Immunsystems und dienen der Abwehr von Krankheitserregern wie Pilzen und Bakterien und von Insekten. Salicylate werden im Körper zu Salicylsäure umgewandelt und wirken in hohen Dosen toxisch. Man kann sie zu den Antinährstoffen zählen.

Welche Effekte können hohe Salicylataufnahmen haben?

  • Respiratorische Alkalose: Salicylsäure stimuliert das respiratorische Zentrum im Hirnstamm. Dies führt zu Hyperventilation und damit zu einer Erhöhung des Blut-pH-Werts.
  • Metabolische Azidose und Hyperthermie: Salicylsäure stört den mitochondrialen Metabolismus (Citratzyklus), was die Energieproduktion hemmt und für eine Verschiebung vom aeroben zum aneroben Metabolismus sorgt. Das Ergebnis: Ansammlung von Pyruvat und Lactat und Anstieg von Wärmeproduktion, was zu einem Absinken des Blut- und Gewebe-pH-Werts führt und einer erhöhten Körpertemperatur.

In der Anfangsphase von akuter Salicylsäurevergiftung kommt es zu einem höheren Urin-pH-Wert durch Ausscheidung von Kalium und Natrium Bicarbonat. Symptome sind: Erbrechen und Übelkeit, starkes Schwitzen, Tinnitus, Schwindelattacken, Hyperventilation, hohe Herzschlagfrequenz, Hyperaktivität. Im Folgenden sinkt der Urin-pH-Wert durch Kaliumverlust und Aufbau von Pyruvat und Lactat. Es kann zu weiteren Symptomen kommen wie Fieber, Unruhe, Delirium, Halluzinationen, Krämpfen, Lethargie und Benommenheit.


Die Salicylatintoleranz ist seit 1902 medizinisch beschrieben. Bei Menschen mit Salicylatintoleranz genügen schon viel kleinere Dosen um Symptome einer Vergiftung hervorzurufen, ähnlich wie bei der Histaminintoleranz. In Europa sollen 2,5% der Bevölkerung betroffen sein. Ursprünglich nur als Nebenwirkung auf bestimmte Medikamente beschrieben, ist diese Sensitivität inzwischen auf Bekannt in Hinblick auf Reaktionen auf Nahrungsmittel und Reinigungs- und Kosmetikprodukten. Der Effekt beruht auf einer erhöhten Irritabilität Eikosanoid-bildender Zellen nach Aufnahme von Salicylaten und verwandten Zyklooxygenase-Hemmern mit der Folge eines abnormen Musters der Eikosanoide (Prostaglandine, Leukotriene). Bei intoleranten Personen ist dabei eine Aktivierung von basophilen und eosinophilen Leukozyten, Makrophagen, Mastzellen, Thrombozyten und Lymphozyten erkennbar.

Typische Symptome hierbei sind: Gastrointestinale Symptome, Magenschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Schleimhautirritation, Asthma und ähnliche Atemstörungen wie ständiger Husten, Pseudoanaphylaxis (nicht-IgE-vermittelt), Veränderung der Hautfarbe, Depression und Angststörung, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Jucken, Urtikaria, Ausschlag, Gedächtnisverlust, Konzentrationsbeschwerden, verstopfte Nase, Fließschnupfen, Polypenbildung, Nasennebenhöhlenentzündung, brennende, juckende, geschwollene Augen, Schwellen von Händen, Füßen, Augenlidern, Gesicht, Lippen (Angioödem), Tinnitus.

Sogar Verhaltensauffälligkeiten wie Hyperaktivität, aggressive Ausbrüche, Autismus, Koordinationsstörungen oder Panikattacken können durch Salicylate begünstigt werden. Diese Sensitivität ist bei Erwachsenen häufiger zu finden als bei Kindern, und lässt somit den Schluss zu, dass es sich um eine erworbene Sensitivität handelt.

Ebenso wie die IgE-vermittelten, allergischen Reaktionen, sind auch hier also in erster Linie Barriereorgane (Haut, Darm, Lunge) betroffen. Diagnostischen Tests auf eine Salicylatintoleranz sind schwierig und teuer, der Königsweg hier ist wieder das Ernährungs- und Symptomtagebuch und individuelles, systematisches Austesten, angefangen mit einer Eliminationsdiät. Ein längerfristiges Vermeiden salicylatreicher Lebensmittel wird nicht empfohlen, im Gegenteil sollte der Körper langsam und stetig wieder auf ein normales Niveau desensibilisiert werden! Ein gesunder Lebensstil und die Heilung des Darms dürften auch hier mit im Vordergrund stehen.


Das entscheidende Wissen ist hier, dass wir große Mengen an Salicylaten sehr leicht durch unsere Haut und über unsere Lungen aufnehmen! Bevor du also anfängst, wertvolle vollwertige Nahrungsmittel zu streichen, solltest du deinen Körper an sinnvollerer Stelle entlasten. Signifikante Quellen für Salicylate sind:

Kosmetikprodukte wie Cremes, Körperreinigungsmittel, Parfums, Deos, Haarspray, Gele, Schminke, Lotionen, Mundwasser, Shampoo, Spülung, Rasiergel, Peeling, Seifen, Schaumbäder, Zahnpasta, Sonnenmilch. Dies gilt ebenso für Naturkosmetik! Salicylalte werden oftmals als Konservierungsstoffe eingesetzt. Weitere Quellen sind Rauchen (Tabakpflanze), Lufterfrischer, Bonbons, Kaugummis, Haushaltsreiniger, Waschmaschinenpulver, Warzenpflaster, Cremes gegen Schmerzen in Gelenken und Muskeln, Schmerzmittel.

Hier findest du viele Tipps, wie du Körperpflegeprodukte und Haushaltsreiniger selbst machen kannst! Das wichtige ist, bei großer Empfindlichkeit auch hierbei erstmal auf jegliche pflanzlichen Zusätze wie ätherische Öle zu verzichten.


800px-illustration_mentha_spicata0Der Gehalt an Salicylate in Lebensmitteln ist vergleichsweise gering. Salicylate aus pflanzlichen Nahrungsmitteln stellen für unseren Körper einen sehr wichtigen, antientzündlichen Nährstoff dar, der auch wichtig ist gegen Krebs und für ein gesundes Herz-Kreislaufsystem. Aus diesem Grund würde ich empfehlen, sich bei einer Intoleranz sich in erster Linie auf äußerliche Stoffe und die Salicylat“bomben“ unter den Nahrungsmitteln zu konzentrieren, aber diese nach einer Karenzzeit nach und nach individuell wieder auszutesten, da es sich hierbei um sehr nährstoffreiche Nahrungsmittel handelt.

Diese wären: Tees, die meisten Kräuter und Gewürze, Kurkuma, Vanille, Pistazien, Mandeln, Macadamianuss, Erdnüsse, Pinienkerne, Sesam, Walnüsse, Paranuss, Getrocknetes Obst, Obstsäfte, Nektarinen, Mandarinen, Orangen, Grapefruit, Kiwi, Beeren, Ananas, Aprikosen, Pflaumen, Pfirsisch, Kirschen, Trauben, Honigmelone, Cantaloupemelone, Wassermelone, Äpfel (bis auf Golden Delicious), ungeschälte Birnen, Datteln, Feigen, Radieschen, Wasserkresse, Avocados, Zucchini, Gurken, Wasserkastanie, Artischocken, Karotten, Brokkoli,  Aubergine, Chilli, Tomaten, Okra, Oliven, Spinat, Süßkartoffeln, Chickory Wurzel, Paprika, Pastinaken, Wein, Brandy, Kokosnussöl, Olivenöl. Quelle

In der Regel ist die Konzentration in unreiferen Früchten höher und vor allem in der Haut vorzufinden (schälen!).

Darüber hinaus gilt es, auch die übrigen phenolischen Komponenten in Form von künstlichen Zusatzstoffen wie Farb- und Aromastoffe (auch sogenannte „natürliche Aromen“) weitestgehend aus der Ernährung zu eliminierung.

Spezialisierte Diäten, die sich mit Phenol- und Salicylatintoleranz beschäftigen, sind die Feingold- und die Failsafediet (aktueller).


Gründe für eine vorliegende Salicylatintoleranz kann eine allgemeine Intoleranz gegen Phenole und eine schwache Sulfatierung und Methylierungsprobleme sein (schlecht arbeitender Schwefelmetabolismus, der für die Entgiftung wichtig ist), die verbessert werden müssen. Eine mögliche Verbesserung der Toleranz kann zudem erzielt werden durch eine höhere Einnahme von Omega-3-Fettsäuren (vor allem DHA und EPA) und Zink (im Grunde wären frische, lebende Austern somit das perfekte Lebensmittel, das auch mir persönlich sehr gut tut – ich vermute bei mir allerdings keine Salicylatintoleranz).

Personen, die schon länger mit einer Salicylatintoleranz zu kämpfen haben, sollten außerdem den Elektrolytgehalt ihres Blutes überprüfen lassen, vor allem den Kalium-Wert (höherer Verlust).

Desweiteren kommt es oft gleichermaßen zu einer Intoleranz gegen andere phenolische Verbindungen wie Benzoate, die auch im hohen Maß in Beeren und Kräutern zu finden sind, aber ebenso als Konservierer in Kosmetika eingesetzt werden.

Im Zusammenhang mit einer alternativen Therapieform für Fibromyalgie habe ich gelernt, dass Salicylate (vor allem aus Kosmetikprodukten, da diese nicht über den normalen Verdauungsweg verstoffwechselt werden) die Wirkung haben, die Ausscheidung der Nieren ins Negative zu beeinflussen, was mit der größeren Ausscheidung bestimmter Elektrolyte gut zusammenpassen würde. Hier muss es noch mehr Zusammenhänge geben!

Zum Abschluss möchte ich auch noch einmal betonen: Wir sind alle verschieden. Vielleicht gibt es schlichtweg Individuen, deren Vorfahren gewisse Lebensmittel so gut wie nicht in ihrer Umwelt gefunden haben, und die daher genetisch nicht darauf ausgelegt sind, z.B. Obst in großen Mengen zu verzehren, dagegen besser mit tierischem Fett und Protein zurechtkommen.


Quellen:

Raithel, M., Baenkler, H. W., Naegel, A., Buchwald, F., Schultis, H. W., Backhus, B., … & Konturek, P. (2005). Significance of salicylate intolerance in diseases of lower gastrointestinal tract. Journal of physiology and pharmacology, 56, 89.

The Paleo Approach – Sarah Ballantyne, PhD – Auf Deutsch

Der kleine Souci – Lebensmitteltabelle für die Praxis

GESTIS-Stoffdatenbank

www.talkingcells.org/inhalt/german/download/pdf/texte/Baenkler_2008_Salicylatintoleranz.pdf


Interview mit Ulrike Ischler: Salicylatfreie Biokosmetik, Hautgesundheit, Unverträglichkeiten

4 thoughts on “Salicylatintoleranz

  • 13. April 2017 at 7:05
    Permalink

    Hallo Doro,
    Ich habe leider eine Salicylatintoleranz- und Histaminintoleranz, wahrscheinlich aufgrund einer Mastzellaktivierung, somit kommen nur wenige Lebensmittel in Frage. Ein wirksames Antihistaminikum ist ja Quercetin, aber darf man das bei Salicylatintoleranz nehmen?
    Liebe Grüße Ayo

    Reply
    • Doro
      13. April 2017 at 11:41
      Permalink

      Hallo Ayo,
      danke für deine Nachricht. Das ist ja wirklich eine schwierige Kombination, ich hoffe, die Ratschläge auf meiner Seite helfen dir ein wenig weiter, dass dein Körper mehr tolerieren kann. Viele kommen mit Quercetin zurecht, es gibt aber auch genügend Leute, die es nicht gut vertragen. In jedem Fall auf hohe Qualität, am besten gepaart mit einem Vitamin C (das du verträgst, auch da scheiden sich die Geister, da kommt wieder viel Bioindividualität ins Spiel), und nur langsam einschleichen, ruhig die Kapsel aufmachen. Und immer nur ein neues Supplement auf einmal einführen, um gut beobachten zu können. Anscheinend ist Luteolin verträglicher, wäre zumindest noch eine Alternative und soll sehr gut wirken.
      Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen. Dann erstmal alles Gute,
      Doro

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  • 13. April 2017 at 15:29
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    Liebe Doro,
    vielen vielen Dank für Deine schnelle Antwort und auch echt sehr informative und gute Website. Vitamin C nehme ich übrigens in gepufferter Form ein, das ist für mich gut verträglich. Luteolin probiere ich auf jeden Fall aus.
    Liebe Grüße
    Ayo

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    • Doro
      15. April 2017 at 13:12
      Permalink

      Hast du den Eindruck, dass dir das Vitamin C weiterhilft, merkst du einen Unterschied in deinem Wohlbefinden? Ich frage nur deshalb, weil ich das Gefühl hatte, dass das gepufferte bei mir nicht so eine starke Wirkung hat, hat auch glaube ich ein Elektron weniger.

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