Ursachen für chronische Entzündung

Neurodermitis ist eine chronische Entzündungserkrankung. Durch gewisse äußere Einflüsse wird das Immunsystem in einem Erregungszustand gehalten, der für eine dauerhafte, unterschwellige Entzündung sorgt, in seiner Ausprägung je nach Zeitpunkt und Einwirkung gewisser Umstände schwankend. Gleichzeitig ist die Immuntoleranz heruntergesetzt. Die Entzündung wird durch Stoffe ausgelöst, die Zellen des nicht-adaptiven Immunsystems im gesamten Körper ausschütten (wie Cytokine und Histamin; man spricht hier von Th2-Dominanz) mit der Absicht, den Körper vor feindlichen Einflüssen zu schützen, wobei aber auch umliegendes gesundes Gewebe in Mitleidenschaft gezogen wird, es entstehen quasi Kollateralschäden.

Gewebe, die besonders reich an Immungewebe sind, sind Barrieregewebe wie die Haut, die Darm-, die Gebärmutter und die Lungenschleimhaut, die das Körperinnere vor von außen eindringenden Stoffen schützen sollen. Deswegen zeigen sich hier in der Regel die ersten Symptome einer chronischen Entzündung wie Ausschläge, Allergien, Heuschnupfen, Asthma, Menstruationsbeschwerden und Reizdarmsyndrom.

Auch in unserem Blut zirkulieren reichlich Immunzellen. Im Grunde sind alle sogenannten „Zivilisationserkrankungen“ auf eine chronische Entzündung des Körpers mit Schwerpunkt auf bestimmten Körperteilen zurückzuführen, wie z.B. wie schon erwähnt Allergien und Asthma, Hauterscheinungen wie Neurodermitis und Akne, aber auch Herz-Kreislauferkrankungen, Adipositas, Chronic Fatigue Syndrom, Fibromyalgie, Depressionen, gewisse Arten von Autismus, AD(H)S und Krebs, sowie Autoimmunerkrankungen, bei denen der Körper zusätzlich Autoantikörper (Immunabwehrzellen, die gezielt gegen eigenes Körpergewebe vorgehen; Th1-Dominanz) bildet, wie Endometriose, Diabetes Typ I, Psoriasis, rheumatoide Arthritis, Knötchenflechte, Colitis Ulcerosa, Morbus Crohn, Lupus, Hashimoto und Multiple Sklerose.

Was sorgt dafür, dass unser Immunsystem so in Aufruhr bzw. aus dem Gleichgewicht gerät?

Hier muss man sich unseren Körper als ein Fass vorstellen, das in der Lage ist, ein gewisses Entzündungslevel zu tragen. Gewisse Lebensumstände, die eine Belastung für den Körper darstellen, tragen etwas zum Inhalt dieses Fasses bei. Unser Körper besitzt eine Vielzahl an erstaunlichen Mechanismen, die dem Entzündungslevel entgegenwirken, wie Reparatur- und Entgiftungsmechanismen. Der Körper ist darauf ausgelegt, nach allen Möglichkeiten und allen äußeren Faktoren zum Trotz die Homöostase (das Gleichgewicht)aufrecht zu erhalten. Kommt allerdings innerhalb eines zu kurzen Zeitraums zu viel zusammen, bzw. bestehen gewisse Missstände für viele Jahre, kann es dazu führen, dass dieses Fass überläuft und wir plötzlich mit einer Immun- oder sogar Autoimmunerkrankung zu kämpfen haben.

Was stellt alles eine Herausforderung für unser Immunsystem dar?

  • Giftstoffe aus Pestiziden, Haushalt- und Kosmetikprodukten oder an unserem Arbeitsplatz
  • Zigarettenrauch, Abgase
  • Chemische Stoffe, auch aus Arzneimitteln
  • Schwermetalle, z.B. aus Amalgamfüllungen
  • Strahlenbelastung
  • Starke körperliche Anstrengung, körperliches Trauma
  • Starke psychische Belastung, chronischer Stress, Trauma
  • Schlafmangel
  • Bewegungsmangel, zu wenig Tageslicht und frische Luft
  • Infektionen mit Viren (z.B. Herpes), Bakterien (z.B. Borrelien oder Helicobacter pylori), Parasiten (z.B. Toxoplasma gondii), Darmpilzen (z.B. Candida)
  • Bakterienherde im Mund, von Kariesstellen, wurzelbehandelten Zähnen…
  • Impfungen
  • Ein aus dem Gleichgewicht geratenes Darmmikrobiom (Dysbiose oder SIBO (Small intestinal bacterial overgrowth))
  • Hormonungleichgewicht durch die „Pille“, Phytoöstrogene (Soja, Leinsamen), tierische Produkte von mit Hormonen behandelten Nutztieren, durch Mykoöstrogene (in mit Schimmel belasteten Nahrungsmitteln, oft in Alfalfa zu finden), Xenoöstrogene wie in Plastikprodukten und Kosmetika, Stress (Cortisol), Vitamin D-Mangel (eigentlich ein Hormon, kein Vitamin)
  • Mykotoxine (aus Schimmel)
  • Ernährung:
    • Vitamin- und Mikronährstoffmangel
    • Individuell unverträgliche Nahrungsmittel
    • Entzündungsfördernde Lebensmittel
    • Antinährstoffe
    • Eine Überwucherung des Darms durch pathogene Darmbakterien durch einseitige (vor allem zu kohlenhydratreiche und ballaststoffarme) Ernährung
    • starke Blutzuckerschwankungen
  • Blockaden in der Wirbelsäule, chronische Verspannungen

Dies alles führt zu Ungleichgewichten im Immun-, Hormon- und Nervensystem und im Zellmilieu (Redoxpotential der Zelle).

Wie du siehst, spielt der Lebensstil eine entscheidende Rolle. Auch wenn einzelne Gene identifiziert wurden, die die Anfälligkeit für bestimmte Erkrankungen erhöhen (z.B. Genvarianten, deren Träger schlechter über die Leber entgiften können), so sind es akute Umstände, die darüber entscheiden, ob eine chronische Entzündungserkrankung ausgelöst wird bzw. wie stark sie zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgeprägt ist. Auf gewisse Dinge haben wir leider keinen Einfluss bzw. sie sind wichtig, wie Impfungen, allerdings sollten wir immer darauf bedacht sein, unserem Körper nie zuviel auf einmal zuzumuten, um das Fass nicht zum Überlaufen zu bringen. Und wenn wir wissen, dass unser Entzündungsfass gerade sehr voll ist, weil wir z.B. gerade einen Trauerfall in der Familie haben, kurz vor der Abgabe unserer Doktorarbeit sind oder eine Erkältung haben, sollten wir nicht noch mit einer Impfung eins oben drauf setzen und genug Zeit zwischen einzelnen Impfungen lassen.

Das Ermutigende ist, dass wir diesen Erkrankungen nicht völlig hilflos gegenüber stehen, sondern viel selbst in die eigene Hand nehmen und beeinflussen können über unseren Lebensstil und unsere Ernährung.

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