Die dunkelste Stunde

So viele Hoffnungen hatte ich in die vegane Ernährungsweise gelegt. Man hört es doch mittlerweile von allen Seiten, wie viele Krankheiten durch den völligen Verzicht auf tierische Produkte auf wundersame Weise geheilt werden, wie Allergien und auch die Neurodermitis verschwinden. Ich hatte am Ende nicht nur auf Milchprodukte und alles Tierische, sondern auch auf Gluten, Soja, Zucker und überhaupt alles Verarbeitete verzichtet und aß sehr vollwertig mit hohem Rohkostanteil. Und ich verstand es nicht. Es machte nicht den geringsten Unterschied in Bezug auf meine Haut in Bezug auf die Entzündungen und den Ausschlag. Anfangs ging es mir wenigstens körperlich hervorragend. Ich verlor ein paar überflüssige Pfunde, meine Haut wurde weicher und ich hatte wesentlich mehr Energie und fühlte mich mental besser, aber die Neurodermitisstellen wurden langsam aber sicher aggressiver. Zwischenzeitlich war dann plötzlich diese Phase, wo alles auf einmal Top wurde, als wäre ein Schalter in meinem Körper umgelegt worden auf Heilungsmodus, wie aus heiterem Himmel. War es nun das Heilfasten oder nicht? Wenn ja, wieso hatte es dann nicht direkt danach eingesetzt sondern mit einem Monat Verzögerung und wieso hatte dann das zweite Heilfasten rein gar nichts gebracht? So allmählich war ich es leid. Ich wühlte mich Tag für Tag durch einen Berg an Informationen aus Büchern und dem Internet, probierte wirklich alles Mögliche aus zum „Entgiften“ und redete mir immer ein, ich müsse mich nur weiter in Geduld üben, mein Körper habe eben einfach nur extrem viel zu entgiften, was sich über all die Jahre angesammelt hatte. Aber je weiter ich mein privates Studium der Zivilisationskrankheiten fortführte, desto mehr stieß ich auf echte Wissenschaft, meist aus den Reihen der Paläobewegung und ich begann zu verstehen, dass die vegane Ernährung nicht da ansetzte, wo es wirklich nötig ist: An der Heilung des Darms. Ich hatte zwar schon einiges in Bezug auf Darmsanierung unternommen in Form von Candidabekämpfung, Probiotikaeinnahme und Darmspülungen, aber was noch fehlte, war eindeutig eine perfekt auf die Darmheilung spezialisierte Ernährungsweise.

Schon Monate zuvor war ich über die GAPS-Ernährung gestolpert, die eigens dafür entwickelt worden ist durch die russisch-amerikanische Ernährungswissenschaftlerin und Neurologin Dr. Natasha Campbell-McBride, mit der sie unglaubliche Erfolge bei Morbus Crohn und Autismus bei Kindern erzielte. Die wissenschaftliche Erklärung dahinter überzeugte mich zutiefst (und tut es grundsätzlich auch heute noch). Doch der sehr krasse Ernährungsplan schreckte mich dermaßen ab, dass ich noch lange nach Alternativen suchte, bis es mir von meiner Haut und meiner Energie her so schlecht ging, dass ich mich dem ergab. Ich kaufte mir das Buch, und war nach der Lektüre noch mehr Feuer und Flamme dafür. Doch wieder Fleisch, Butter und Eier essen? Komplett auf Stärke, Zucker und zu Hundertprozent auf verarbeitete Produkte verzichten, und das für ein bis zwei Jahre?

Es war nicht leicht, die vegane Ernährung aufzugeben. Ich habe sie nie zu wirklich hundert Prozent streng religiös durchgeführt und mich nicht als Veganer bezeichnet, aber es war irgendwie schön, mich einer Gruppe zugehörig zu fühlen und mich mit etwas zu identifizieren. Außerdem war das vegane Kochen mit allen seinen Herausforderungen zu meinem neuen Lieblingshobby geworden. Und, es war ein Eingestehen eines Irrtums. Mich hatte doch sehr der Stolz ergriffen, mich von anderen durch eine besondere Ernährungsweise abzuheben und ich war sehr davon überzeugt gewesen, alle meine Gesundheitsprobleme durch das Weglassen tierischer Produkte beheben zu können.

Aber schließlich wurde der Leidensdruck groß genug, sodass ich mich Hals über Kopf in die GAPS-Diät stürzte. Irgendwie spürte ich tief in meinem Inneren, dass ich jetzt da war. Dass es jetzt das ist, was ich mein Leben lang gesucht hatte. Dies tröstete mich sehr über den Abschied vom Veganertum hinweg. Auch der Wissenschaftler in mir war nun wesentlich befriedigter mit all dem fundierten Hintergrundwissen. Am Abend, bevor ich offiziell mit der GAPS-Ernährung startete, besuchte ich meine Mutter und sprach mit ihr darüber. Sie betete mit mir, dass Gott mir die Lösung zeigen und mich auf den richtigen Weg führen möge und segnete meine geschundene Haut.

Ich war sehr motiviert. Ich zog alles zu Hundertprozent nach den Vorgaben im Buch durch. Ich machte mir eine unglaubliche Arbeit mit der Herstellung von Sauerkraut, Joghurt, Ghee, fermentiertem Hering und was weiß ich noch. Der Erfolg ließ auf sich warten, aber es war alles ziemlich interessant und spannend und ich war begeistert von dem, was ich in der Zeit lernte. Außerdem setzte ich die Pille nach fast 8 Jahren ab.

Ich hatte nun jede Nacht mit Reaktionen zu kämpfen. Teilweise wachte ich plötzlich aus dem Schlaf auf wegen eines heftigen Juckanfalls und schlief insgesamt nicht mehr wirklich tief. Mit der Haut ging es schleichend weiter abwärts. Anfangs verneinte ich es und fand Ausreden dafür. Ich führte doch diese tolle, neue und unfehlbare Ernährungsweise durch. Dann begann ich meine Haut immer mehr und nach Möglichkeit zu verstecken. Das Problem war, dass das nicht wirklich möglich war, denn die Reaktionen fanden hauptsächlich an sehr einsehbaren Stellen statt, nämlich Fingern, Handrücken, Hals, Lippen, um die Augen und Armbeugen. So langsam dämmerte es mir, dass dies wohl doch eine größere Geschichte werden würde und ich versuchte, den Gedanken an eine schnelle Erledigung dieser „Sache“ loszulassen. Sollten die Leute doch sehen, wie schlimm mein Zustand ist. Desto eher würden sie über das Wunder meiner Heilung staunen. Ich versuchte, alles tapfer zu nehmen und stark zu bleiben. Doch der Zustand wurde immer schlimmer. Ich begann mich, zurückzuziehen, denn ich wollte nicht, dass jemand mich so sehen würde da ich mich sehr schämte, zum einen, weil es wirklich abscheulich aussah und zum anderen, weil ich es nicht ertragen konnte, ein weiteres Mal ein Scheitern zuzugeben. Ich stürzte mich noch mehr in diese Ernährung, versuchte alles so richtig wie möglich zu machen. Mehr probiotische Nahrung, mehr Knochenbrühe. Ich verbrachte meine gesamte Zeit neben dem Studium in der Küche. Und jetzt wurde es so richtig schlimm. Ich wurde nachts von regelrechten Anfällen wach. Es war als würde mein Körper in höchster Alarmstufe sein und einfach nur noch um Hilfe schreien, meine Haut brannte wie als wäre mein Körper vollgepumpt mit Säure und ich konnte nicht anders als mir meine Haut wie wahnsinnig aufzukratzen und zu reißen bis es blutete und nässte. Es waren unvorstellbare Schmerzen. Ich kaufte mir Baumwollhandschuhe und verband mir die Hände nachts, um das Aufkratzen zu verhindern. Doch auch mit den Handschuhen schaffte ich es, mir meine Finger zu zerstören. Morgens musste ich die unter Schmerzen die festgekrusteten Handschuhen von meinen armen Händen pulen. Ich schlief keine Nacht mehr durch und begann mich wie ein Zombie zu fühlen. Ich sah nicht nur aus wie einer von meiner Haut her, ich war auch erschöpft bis aufs Mark und weiß bis heute nicht, wie ich es noch geschafft habe, mich fast jeden Tag zur Uni zu schleppen. Im Zug und in der Uni musste ich die Blicke der anderen ertragen. Zudem fiel auf, dass ich mir immer ungewöhnliches Essen mitnahm. Anfangs hatte ich noch gerne erklärt, dass ich eine spezielle Diät machte, um meine Neurodermitis zu heilen, doch nach einer Weile und dem Schlimmerwerden der Haut war es nicht mehr für mich zu ertragen und ich suchte mir immer ein verstecktes Plätzchen, um zu essen. Es war schon schlimm genug, wenn ich von geschockten Leuten ständig gefragt wurde, was mir denn widerfahren sei. Ich war froh, dass Winter war, und man nicht das ganze Ausmaß der Lage sehen konnte, doch gleichzeitig war warme und raue Kleidung auf meiner Haut kaum zu ertragen und fühlte sich einfach nur scheußlich auf meiner Haut an.

Ich blieb tapfer. Ich überstand die Adventszeit und Weihnachten ohne Zucker, Getreide, Schokolade und Obst. Ich wusste, es würde seine Zeit brauchen. Wieder redete ich mir ein, dass es nur eine „Entgiftungserscheinung“ sei. Aber Zweifel an dieser neuen Ernährungsweise kamen natürlich massiv auf. Ich fürchtete mich davor, wieder eine völlig verkehrte Richtung einzuschlagen und in eine Sackgasse zu geraten. Oftmals hätte ich am liebsten alles hingeschmissen, doch was, wenn ich nur noch ein bisschen länger durchhalten müsste bis Besserung eintrat? Eines abends betete ich, dass Gott mir ein Zeichen geben möge, dass ich auf dem richtigen Weg sei und dranbleiben solle. Am nächsten Tag, auf dem Weg vom Gießener Bahnhof zum Campus der Naturwissenschaften, erhaschte mein Blick etwas, das vergraben zwischen totem Laub und Abfall in einer schmutzigen Nische lag. Ich weiß nicht, wie ich es überhaupt hatte wahrnehmen können. Ich hob es auf. Ein kleiner Schmetterling aus Keramik, sehr solide und angenehm in der Hand. Er war wunderschön. War das mein Zeichen? War es in Stein gemeißelt, dass auch ich eines Tages als wunderschöner Schmetterling ins Leben treten würde? Ich trug ihn seitdem in der Tasche meines Mantels. In den größten Stresssituationen beruhigte es mich, unaufhörlich über die weichen Formen zu fahren oder meine Faust fest um ihn zu ballen.

Ich blieb dran mit meinen Recherchen und lernte viel Erstaunliches in der Zeit über die Ernährung und den Körper. Zeiten der Verzweiflung und der Begeisterung lösten sich ab. Ich meine, ich erzielte eine Reaktion, ich nahm definitiv Einfluss auf meinen Körper, nur war es eben genau das Gegenteil von dem, was ich wollte! Es musste an kleinen Details liegen, die ich noch falsch machte, aber ich wusste wie nie zuvor, dass die Antwort ganz nahe ist! Außerdem waren da diese Momente, in denen meine Finger auf einmal abschwollen und ich plötzlich eine unfassbare Klarheit im Kopf bekam. Doch was zur Hölle war es?? Dann kam meine Periode und sie ging einher mit der schlimmsten PMS, die ich in meinem ganzen Leben erlebt hatte. Ich bekam sehr dunkle Gedanken, wie, dass ich einfach ein Messer nehmen und mir die kaputten Finger, besonders den linken Ringfinger, wo von der Fingerkuppe und dem Fingerabdruck nichts weiter als eine blutige Masse übrig war, abschneiden könnte. Ich fühlte mich, als würde ein bösartiger Parasit in meinem Kopf wohnen, der mir einflüsterte, dass es keinen Weg herausgäbe. Dann sah ich den Film „Exodus – Götter und Könige“ Ende 2014. Die Stelle, wo die Verkörperung Gottes als dieser Junge zu Moses sagte: „Ich sehe zu, wie du scheiterst“, geisterte von da an in meinem Kopf herum. War es das? Sah Gott mir von da oben zu, wie ich mich abmühte und alles opferte und am Ende nur lächerlich versagte? War das, was ich mir wünschte, endlich ein Leben in Gesundheit und ohne Schmerzen, Behinderung und Demütigung führen zu dürfen, eine derartige Anmaßung? Wurde ich für irgendetwas bestraft?

Die ewigen Attacken (Juckreiz wäre zu harmlos um sie zu beschreiben) wurden immer entsetzlicher. Ich bekam Angst vorm Einschlafen. Ich lebte komplett zurückgezogen von der Welt. Ich konnte keinerlei Berührung mehr durch meinen Mann ertragen, geschweige denn ihn Küssen. Er musste mir die Schuhe binden und mir einzelne Male sogar die Haare waschen. Ich konnte kaum noch meinen Haushalt führen und für meine Tiere sorgen. Mein Mann geriet ebenfalls an die Schwelle dessen, was er ertragen konnte. Es lag nur noch Spannung in der Luft und wir gerieten oft in Streit. Ich weinte unendlich viele Tränen in dieser Zeit. Und einzelne Male war ich dermaßen am Ende meiner Kräfte, dass ich begann Gott anzuschreien. Ich war wie wahnsinnig vor Schmerzen und so verzweifelt und gedemütigt. Wo war er, wie lange sollte das noch so gehen, wieso sah er mich nicht!! Gab es denn nicht die geringste Hoffnung für mich!! Wieso heilte er mich nicht! Ich weiß noch, wie ich auf dem Boden meines Bades gekauert habe und nach einer heftigen Weinattacke an den Spruch dachte: „Der Sonnenaufgang folgt auf die dunkelste Stunde“. Ist dies die dunkelste Stunde?, dachte ich. Ist dies die dunkelste Stunde. Wie wahnsinnig flüsterte ich diesen Satz vor mich her. Ich konnte nicht aufhören zu hoffen und zu beten. Wie oft dachte ich daran, einfach aufzugeben. Ich würde mit all den Experimenten einfach aufhören und wieder „normal“ essen, so, wie die Leute um mich herum es mir einzureden begannen. Aber ich wusste ganz genau, dass ich mich nicht so einfach „ergeben“ konnte. Ich hätte es gern getan, aber, was hieß, „normal“ zu essen? Ich wusste, dass es mir dadurch eher noch schlechter als besser ergehen konnte. Denn ich konnte qualitativ nicht mehr hochwertiger essen, als ich es im Augenblick tat. Es gab keinen Ausweg mehr. Ich befand mich mit dem Rücken zur Wand. Ich nahm immer mehr an Gewicht ab, meine Energie schwand, und ich wusste, da war niemand, der mir helfen konnte.

An Weihnachten legte mir meine Mutter vorsichtig nahe, dass ich vielleicht besser eine Klinik aufsuchen sollte. Ich sagte ihr, dass ich das tun würde, sollte sich nicht bald etwas ändern. Und doch war da weiterhin dieser Glaube daran, dass da ja etwas sein müsse, was das auslöst und diese kleinen Momente in denen es mir so gut ging, die mich weiter antrieben, naja und vor allem vielleicht, dass ich keine wirkliche Wahl hatte. Ich las jetzt zum ersten Mal in einem Forum über Histaminintoleranz und begann mich etwas da hineinzulesen. Doch schnell verwarf ich den Gedanken wieder. Gewisse Quellen sagten, dass es sowas nicht gäbe und die Liste mit den verbotenen Lebensmitteln schnürte mir den Hals zu. Es war so viel… Nein, das konnte es auf keinen Fall sein. Kurz vor Silvester hatte ich einen weiteren sehr schweren Anfall. Ich war am Boden. Ich konnte nicht mehr. Wir wollten zu Freunden in der Schweiz fahren über Silvester und mein Mann hatte ein Mädchen eingeladen mitzukommen, das er und sein Bruder bei einem Wochenendtrip in Edinburgh kennen gelernt hatten und das gut zu mir passen würde. Mir ging es sehr schlecht. Ich hatte keine Kraft für sowas. Ich sagte ihm, dass ich wahrscheinlich nicht würde mitkommen können, obwohl ich mich sehr auf den Kurzurlaub gefreut hatte. Und ich bereute es, zugesagt zu haben, dass dieses Mädchen kommen solle. Ich wollte niemanden sehen und von niemandem gesehen werden. Und dann war sie da und wir fuhren zusammen in die Schweiz. Es war ein Wunder. Sie war nicht abgestoßen von mir. Und ich hatte nicht die geringsten Hemmungen, ihr mein Herz auszuschütten über all das, was ich in den letzten Monaten (und noch viel mehr) erlebt hatte. Und sie sagte, dass sie an mich glaubte, und ich nicht aufgeben solle und erzählte mir von ihren eigenen Erlebnissen mit der Neurodermitis, ausgelöst durch Nahrungsmittelintoleranzen. Sie war begeistert von dem was ich unternahm und betete mit mir. Sie war wie ein Engel, der in meinen dunklen Abgrund geschickt wurde. War dies die Antwort von Gott? Als ich aus der Schweiz zurück war, begann ich, vorsichtige Versuche in Richtung histaminarm zu unternehmen und hörte sofort auf, alles Fermentierte zu essen und merkte eine erste Beruhigung meines Systems. Doch irgendwie wollte ich es immer noch nicht so recht glauben und hoffte, dass ich noch einen Weg um die histaminarme Lebensweise herum finden würde.

Dann bekam ich nochmal einen heftigen Rückfall dank Essig, nach dem ich dachte, ich würde eine bleibende Behinderung der rechten Hand zurückbehalten. Von da an nahm ich es ernst mit dem Histamin und beschloss, mich da reinzuknien. Dann erlebte ich eine schreckliche Episode mit Urtikaria. Abends, ich war bei Freunden, begann meine Haut an Bauch und Rücken heftig zu jucken. Ich dachte zunächst es käme vom BH und versuchte es zu ignorieren. Dann wurde es so heftig, dass ich aufs Klo ging um mich anzusehen. Ich war knallrot an Stellen, wo ich nie zuvor Probleme gehabt hatte und es juckte und brannte höllisch. Ich entschuldigte mich und machte mich auf den Nachhauseweg. Unterwegs überkam mich ein so heftiger Schüttelfrost und ich fühlte mich plötzlich so krank und fiebrig, dass ich kurz überlegte, mich von meinem Mann holen zu lassen. Ich konnte kaum mein Lenkrad halten. Zuhause fuhr ich einfach nur noch aus meinen Kleidern und machte mir ein Natronbad. Aber es half nicht. Der Juckreiz ergriff Besitz von meinem gesamten Körper. Er war über und über rot und übersäht von Quaddeln, teilweise handtellergroß. Die Schmerzen waren so groß, dass ich wie unter Schock heftig zitterte und dachte, ich werde ohnmächtig. Ich hatte keine freie Stelle mehr am ganzen Körper. Meine Fußsohlen juckten, meine Beine, mein Po, Bauch, Rücken, Brüste, Hals, Ohrläppchen, Gesicht rot und fleckig, Lippen dick geschwollen, Arme, Hände, sogar die Kopfhaut… Es waren unvorstellbare Schmerzen, ich sah entsetzlich aus und kratzte mich wie wahnsinnig. Ich war so voller Horror, dass ich es nicht wagte, Essen anzurühren… Ich weinte heftig und verzweifelt. Dachte ich doch, jetzt auf die Lösung gestoßen zu sein und dann das… Ich fand keinen Schlaf diese Nacht. Außerdem setzten zeitgleich Zwischenblutungen ein (und ab da blieb meine Periode für über ein halbes Jahr lang aus). Nach wenigen Tagen war es überstanden, so als wäre nichts gewesen.

Ja, jetzt war ich wirklich motiviert, es mit der histaminarmen Ernährung durchzuziehen, und ich habe es nicht bereut. Zurückblickend bin ich sehr dankbar, für alles, was ich lernen durfte. Ich musste noch ein paar mehr Dinge lernen, nämlich, dass auch Antinährstoffe, Schimmel und weitere Dinge das Immunsystem überreagieren lassen, aber jetzt sehe ich, dass Gott mir nie mehr zugemutet hat, als ich tragen konnte und mir immer zum richtigen Zeitpunkt die nächste Tür geöffnet hat. Und um nichts in der Welt würde ich das Wissen, das ich sammeln durfte, wieder hergeben. Ich bin begeistert, wozu unser Körper imstande ist und verstehe nun, dass er all diese schrecklichen Reaktionen nur zeigt, als Weg, um uns zu warnen und uns vor größerem Schaden zu schützen, um den schädlichen Mist, den wir ihm zumuten, wieder loszuwerden. Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe, es ist das größte, was ich jemals in meinem Leben geleistet habe und vielleicht leisten werde. Es ist mein persönlicher Hero´s Journey. Und ich möchte das mit dir teilen um dich vor einem ähnlichen Schreckensweg zu schützen und dir vor allem zu zeigen, dass selbst eine Nahrungsmittelintoleranz nicht das letzte Urteil ist.

schmetterling

Denn ich allein weiß, was ich mit euch vorhabe: Ich, der Herr, werde euch Frieden schenken und euch aus dem Leid befreien. Ich gebe euch wieder Zukunft und Hoffnung. Wenn ihr dann zu mir ruft, wenn ihr kommt und zu mir betet, will ich euch erhören. ~ Jeremia 29, Vers 11 und 12

Wenn wir unseren tiefsten Punkt erreicht haben, sind wir offen für die größten Veränderungen. ~ Legend of Korra

2 thoughts on “Die dunkelste Stunde

  • 4. Dezember 2016 at 14:01
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    Das ist wirklich ein toller Artikel! Ich freue mich total für dich, dass du das geschafft hast und wünsche dir weiterhin viel Erfolg. Vielleicht kannst du irgendwann als Heilpraktikerin oder als Bloggerin dein Wissen auch beruflich einsetzen und damit vielen anderen Menschen helfen. Vielen Dank, dass du deine Erfahrungen teilst!

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    • Doro
      4. Dezember 2016 at 15:24
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      Vielen Dank, und danke fürs Lesen, Mimi! Manchmal ist es noch herausfordernd und ich muss ständig dran bleiben, aber es wird mit der Zeit deutlich einfacher. Das ist auf jeden Fall mein Ziel, ich habe eine Ausbildung zum Ernährungspsychologiecoach angefangen, in Deutschland ist echt Not am Mann!

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