Weitere Trigger

Noch vor wenigen Monaten lag mein Hauptfokus auf Nahrungsmitteln, doch inzwischen habe ich gelernt, dass noch weitaus mehr auf unseren Körper einwirkt, als nur das, was wir täglich essen. Meine Idee ist, verstärkt bei diesen Triggern anzusetzen und sie zu minimieren, um dafür den Speiseplan erweitern zu können. Klingt doch nach einer traumhaften Idee, oder?

Zunächst muss ich erst einmal kurz erklären, wie das mit dem Histamin- oder allgemein Entzündungslevel in unserem Körper überhaupt gemeint ist. Die Histaminose ist dosisabhängig, im Gegensatz zu IgE-vermittelten allergischen Reaktionen, wo bereits winzige Mengen des Allergens ausreichen, um eine Reaktion zu bewirken. Du musst es dir so vorstellen, als wäre dein Körper ein großes Fass, mit einem winzigen Hahn unten. So lange oben soviel Flüssigkeit reinkommt, wie unten ablaufen kann, ist alles in Ordnung und das Fass läuft nicht über. Die Flüssigkeit sind hierbei Dinge, die das Immunsystem anregen. Histaminabbauenzym-hemmende Stoffe, wie Alkohol oder Medikamente, musst du dir wie Ziegelsteine vorstellen, die in das Fass gelegt werden und so seine Tragekapazität verringern. Manchmal, wenn das Fass schon recht voll ist, kommt es bereits zu schwachen Reaktionen (bei mir eine zue Nase, einzelne juckende Bläschen, die sich auf der Haut bilden, oder nur Rötungen), obwohl das Fass noch nicht ganz voll ist, jedoch schon einzelne Tropfen herausschwappen. Wenn du jetzt nicht auf deinen Körper hörst und den Schongang einlegst, kann es in kürzester Zeit zu einem heftigen Ausbruch kommen. Bei mir ist dies ein heftiger Neurodermitisschub oder Durchfall, bei anderen ein Migräneanfall, Ohnmacht oder gar ein anaphylaktischer Schock. Das System ist dermaßen überlastet, dass es zusammenbricht. Sich von solch einem Zusammenbruch zu erholen dauert teilweise Wochen, wie du vielleicht schon am eigenen Leib erfahren hast. Deswegen ist es wichtig, Trigger zu reduzieren wo es nur geht, damit sich unser Entzündungsfass leeren kann. Wie ich allerdings gemerkt habe, gibt es wohl auch zusätzlich mehrere kleine Entzündungsfässer. Sie steuern zum großen Fass bei, können aber auch selbst ihre Grenzen erreichen. So erlebe ich auch eine heftige Reaktion, wenn ich es stark mit Fruktose übertrieben habe oder einem bestimmten Allergen ausgesetzt war, ohne dass ich in irgendeiner Weise Histamin gegessen habe! Es ist schwierig, alles gleichzeitig im Auge zu behalten, aber deswegen ist es umso wichtiger, dass du dich und dein Umfeld genauestens studierst und ein Gefühl für das bekommst, was dir gut tut, und was dich an deine Grenzen bringt.

Meine persönliche Triggergraphik, die ich mir bisher erarbeitet habe. Es kann helfen, die Dinge anschaulich vor Augen zu haben, um sich besser an seine Grenzen halten zu können. Die Haupttrigger können je nach Person leicht variieren, die Grundsätze sind im großen und ganzen aber die gleichen.
Meine persönliche Triggergraphik, die ich mir bisher erarbeitet habe. Es kann helfen, die Dinge anschaulich vor Augen zu haben, um sich besser an seine Grenzen halten zu können. Die Haupttrigger können je nach Person leicht variieren, die Grundsätze sind im großen und ganzen aber die gleichen.

Trigger für körpereigene Histaminfreisetzung können sein:

Hitze (2): Unbedingt für Abkühlung sorgen, Klimaanlage einschalten, kalt abbrausen, schwimmen gehen, um die Körpertemperatur zu senken. Erhöhte Temperatur bedeutet Stress für den Körper! Zum Teil kann man zusehen, wie Schwellungen und Quaddeln sich unter einem Coolpack zurückbilden. Auch Sport treiben erhöht die Körpertemperatur. Sport induzierte Asthmaanfälle sind wahrscheinlich auf eine Entzündungserkrankung im Körper und somit chronisch erhöhtem Histaminspiegel zurückzuführen. Schwitzen kann zusätzlich zu Hautreaktionen führen, wenn der Schweiß mit Rückständen von aggressiven Tensiden auf der Haut oder in der Kleidung reagiert.

Kälte: Kälte kann den Körper genauso in Alarmbereitschaft versetzen, wenn die Gesamtkörpertemperatur zu sehr absinkt. Was außerdem ein häufiger Trigger ist, ist vom kalten Draußen ins aufgeheizte Drinnen zu kommen, oder mit kalter Haut in die heiße Badewanne. Alleine das hat schon oft zu heftigen Juckausbrücken und Schwellungen meiner ganzen Hände gesorgt. Die schnelle Gefäßerweiterung geht mit einer hohen Ausschüttung an Histamin und anderen Entzündungsmediatoren einher.

Änderungen im Luftdruck, Vibrationen, Bewegung: Reichen bei empfindlichen Leuten alleine schon für eine Histaminfreisetzung. Histaminfreisetzung im Innenohr ist nachweislich für Seekrankheit verantwortlich, andere wurden schon auf Flügen ohnmächtig. Hier kann die Maßnahme sein, vor einer Reise besonders diszipliniert mit der Ernährung zu sein und bei Bedarf höhere Dosen Vitamin C zur Histaminsenkung zu schlucken. (1)

Andere Formen von physischem Stress für den Körper wie Schlafmangel, Unterzuckerung, Dehydration.

Psychischer Stress: Sorgt für die Freisetzung von Stresshormonen wie Corticotropin-Releasing-Hormone (Stichwort hypothalamic-pituitary-adrenocortical axis, HPA axis), was zur Aktivierung von Immunzellen und schließlich zur Histaminfreisetzung führt, denn der Körper macht sich bereit, vielleicht eine schlimme Verletzung in einem Kampf zugefügt zu bekommen. Es gilt nun für den Körper, auf das Eindringen von Bakterien in Wunden zu reagieren, sowie in der Lage zu sein, die Wundheilung schnell zu initiieren. Nur dumm, dass wir es heutzutage nicht mehr mit kurzzeitigen Attacken von Artgenossen oder Säbelzahntigern zu tun haben, sondern mit chronischem Stress in unserem Job, etc… Wer hier eine große Baustelle hat, wird es wahrscheinlich schon von sich aus spüren, wie krankmachend Stress ist (bei weitem nicht nur in Bezug auf Histaminose!). Finde die Baustellen in deinem Leben und stelle dich ihnen, finde außerdem deine Methoden, um mit Stress umzugehen, denn er wird sich nicht immer umgehen lassen.

Chemikalien aus Umwelt, Haushalt, Kosmetikprodukten, Schimmel, Zigarettenrauch: Stellen eine Belastung für das Immunsystem dar, es kostet viele Mikronährstoffe als Cofaktoren, um sie zu entgiften im Körper, sie zerstören Barrieregewebe und sorgen unmittelbar für Mastzelldegranulation.

Bestimmte Medikamente, Kontrastmittel, Betäubungsmittel (2): Informiere dich gut, vor allem, wenn eine Behandlung oder Operation bevorsteht! War in den letzten Jahren für mich kein Thema, weswegen ich hierzu noch keine näheren Informationen liefern kann, aber da gibt es schon gute Listen zu.

Verdauung an sich: Alleine auf den Histamingehalt eines Lebensmittels zu schauen ist schon aus dem Grund unsinnig, da der Vorgang des Essens an sich schon entzündungsfördernd ist. Die Sekretion von Magensaft wird durch Histaminausschüttung getriggert und nach jeder Mahlzeit wird der Darm ein kleines bisschen durchlässig, um bestimmte Nährstoffe in den Blutstrom aufzunehmen, was immer mit einer gewissen Aufruhr des Immunsystems verbunden ist. Aus diesem Grund hat es sich für viele als unglaublich entzündungssenkend erwiesen, damit aufzuhören, ständig kleine Snacks zu sich zu nehmen, und stattdessen die Nahrungsaufnahme auf drei feste, große Mahlzeiten zu beschränken (die individuell benötigte Menge an Fett und Protein beachten und nicht zu hoch glykämisch essen, dann bleibt auch der Blutzucker lange stabil). Einzelne Heilfastentage können deswegen sehr heilend wirken, sind aber nicht angeraten bei einer Nebennierenschwäche und insgesamt schlechter Konstitution. Im Großen und Ganzen empfehle ich, sich vermehrt auf andere Baustellen zu konzentrieren, denn gerade essen muss der Mensch, das ist so wichtig wie atmen, und gerade wenn unser Körper aus dem Gleichgewicht und geschwächt ist, brauchen wir besonders viele Nährstoffe.

Geschädigte Barrieren: Verletzungen jeglicher Art senden ein Alarmsignal an unser Immunsystem und sorgen für eine Freisetzung von Histamin und anderer Entzündungsmediatoren, denn es gilt, den Körper vor eindringenden Krankheitserregern zu schützen und die Wundheilung zu fördern. Dies gilt ebenso für eine durch Rauchen ständig gereizte Lunge oder einen durch falsche Ernährung (individuelle Nahrungsmittelintoleranzen bzw. allgemein nicht sehr hochwertig) gereizten Darm. Aber auch, was sicher alle Frauen kennen: Menstruationsblutungen! Wir Frauen haben hier leider deutlich mehr Schleimhautoberfläche als der Mann, und somit auch mehr Entzündungspotential (meine persönliche Theorie ist, dass das mit ein wichtiger Grund für die höhere Zahl an immun- und autoimmunkrankten Frauen ist). Eine Verschlechterung deines Ausschlags, deiner Akne, deiner Migräne oder das Auftreten von PMS kurz vor oder zu Beginn deiner Periode oder auch Regelschmerzen an sich sind ein deutliches Anzeichen dafür, dass du mit einem zu hohen Entzündungslevel in deinem Körper kämpfst. Deswegen solltest du gerade vor und während deiner Periode auf eine optimale, histamin- und histaminliberatorarme und sehr nährstoffreiche und cleane Ernährung achten, sowie auf die Vermeidung von anderen Triggern. Informiere dich außerdem dringend bezüglich der Wirkung moderner Detergenzien in Körperpflege- und Haushaltsreinigungsprodukten auf deine Barrieren!


 

  • 1. Jarisch, Reinhart. Histaminintoleranz-Histamin und Seekrankheit. Georg Thieme Verlag, 2013.
  • 2. Maintz, Laura, and Natalija Novak. „Histamine and histamine intolerance.“ The American journal of clinical nutrition5 (2007): 1185-1196.

Außerdem:

www.thepaleomom.com/2014/08/chronic-stress-leads-hormone-imbalance.html

www.thepaleomom.com/2015/01/stress-undermines-health.html

thelowhistaminechef.com/

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