Histamin

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Quelle: wikipedia.org

Histamin (2-(4-Imidazolyl)-ethylamin) gehört zu den biogenen Aminen und wird durch Decarboxylierung aus der Aminosäure Histidin mittels des Enzyms Histidindecarboxylase gebildet. Körpereigenes Histamin wird hauptsächlich in den Barrieren zur Außenwelt, nämlich der Haut und in den Schleimhäuten der Bronchien und des Magen-Darmtrakts, aber auch im Zentralnervensystem synthetisiert, in Mastzellen, basophilen Granulozyten, histaminergen Neuronen, enterochromaffinen Zellen und Thrombozyten, die es in Vesikeln speichern und bei Stimulierung freisetzen.

Am bekanntesten dürfte sein, dass Histamin bei einer allergischen Reaktion aus Mastzellen freigegeben wird. Die meisten dürften mit Histamin auch schon Bekanntschaft in Form eines brennenden Insektenstichs (ein Peptid, das injiziert wird, sorgt für Mastzelldegranulation, also Histaminfreisetzung aus Mastzellen) oder einer „Verbrennung“ durch die Härchen von Brennnesseln (enthalten Histamin) gemacht haben.

Bei einem Pricktest zur Allergiediagnose wird Histamin als Kontrollmittel gespritzt, um eine Hautschwellung zu provozieren. Hierbei sorgt Histamin für eine Erweiterung der Blutgefäße und zur Ausströmung von Blutplasma ins umliegende Gewebe.

Histamin hat allerdings auch zahlreiche wichtige Aufgaben als Gewebshormon und Neurotransmitter im menschlichen Körper. Hierzu gehören die Regulation der Magensäureproduktion, der Darmmotilität, der Herzschlagfrequenz, der Schleimabsonderung, die Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus, Appetitkontrolle, Gedächtnisbildung, Emotionssteuerung, Zelldifferenzierung, Wundheilung, Durchblutung, Körpertemperatur, Blutdruck, Schmerzempfinden und Neurotransmitterfreisetzung. Es induziert Erbrechen, gibt das Signal für Weheneinleitung und ist für Seekrankheit verantwortlich durch Ausschüttung im Innenohr.

Histamin wird ausgeschüttet an Orten von Verletzung, bei starker körperlicher Anstrengung, bei Stress, bei Erregung, beim Orgasmus, bei plötzlicher Veränderung von Luftdruck oder Temperatur. Histamin wird vom Immunsystem eingesetzt bei der Abwehr körperfremder Stoffe und sorgt unter anderem für die typischen Allergiesymptome wie Ausschlag, Nesselsucht, Verengung der Atemwege und Niesen, indem es eine Entzündungsreaktion hervorruft. Aber auch für das Anschwellen von Prellungen, Kratzern, Schnitten etc. wird durch Histamin verursacht, um weitere Immunzellen anzulocken, eventuell eingedrungene Bakterien zu bekämpfen und die Heilung voranzutreiben.

Histamin wirkt an seinem Bestimmungsort, indem es an bestimmte Rezeptoren auf Zellen andockt. Hierbei werden bislang unterschieden: H1R, H2R, H3R und H4R.


 

Weitere Informationen bietet dieses sehr gute Grundlagenpaper:

Maintz, Laura, and Natalija Novak. „Histamine and histamine intolerance.“ The American journal of clinical nutrition 85.5 (2007): 1185-1196.

4 thoughts on “Histamin

  • 25. Februar 2016 at 19:56
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    Hi Doro,
    wie ist das eigentlich mit Fleisch? Selbst wenn man es frisch vom Metzger holt, ist es ja nicht frisch geschlachtet. Ist es denn dann bei Histaminintoleranz trotzdem verträglich? Außerdem wollte ich dich fragen, wie du das unterwegs machst? In Restaurants zu essen, ist wahrscheinlich ziemlich schwer und sich etwas vorkochen und mitnehmen geht wahrscheinlich auch nicht, oder? Ich hab mich von deinem Blog inspirieren lassen und verschiedene Allergietests gemacht. Zu meiner Überraschung habe ich tatsächlich eine Histaminintoleranz! Einerseits finde ich es sehr beruhigend endlich einen Anhaltspunkt zu haben, andererseits macht es das Essen auf Reisen, in der Arbeit oder mit Freunden wahrscheinlich ziemlich schwer…

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  • Doro
    25. Februar 2016 at 23:09
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    Hi Mimi,
    was genau wurde bei dir getestet? Wie äußert es sich? Reagierst du eher auf Histamin oder auf Liberatoren? Bei mir ist es zweiteres, weswegen ich mit Fleisch weniger ein Problem habe. Das Problem bei Fleisch sind im Grunde die Stellen, die Luftsauerstoff ausgesetzt sind, also Schnittflächen bzw. hat Hackfleisch dann ja eine noch viel größere Oberfläche, denn dort kommt es dann zu bakteriellen Zersetzung und Histaminbildung. Sehr empfindlichen Leuten rate ich deshalb, mit Lamm anzufangen, denn Lamm wird kürzer abgehangen als Rind und gilt vermutlich deswegen als das allergieärmste Fleisch. Außerdem kriegen Lämmer in der Regel nicht den ganzen Mist wie Kühe zu fressen. Ansonsten, wenn ich z.B. weiß, dass ich am Wochenende in einem Restaurant essen werde (was bei mir wirklich extrem selten vorkommt), esse ich die Tage vorher einfach sehr diszipliniert und „safe“ und spare mir so quasi was auf meinem „Konto“ an, was ich dann an dem Tag „verprasse“. Am Anfang in meiner superempfindlichen Zeit wäre das natürlich noch undenkbar gewesen! Da sollte man erst ein wenig festen Boden unter den Füßen und Routine bekommen. In die Uni nehme ich mir immer mein Bananenbrot mit oder koche mir abends etwas Reis oder Gemüse mit Fleisch und stelle es dann bis zum Morgen in den Kühlschrank. Haben z.T. sogar Kühlschränke an der Uni. Wichtig ist auf jeden Fall, dass du deine Routine entwickelst, was geht und was nicht, und mit einem Ernährungstagebuch arbeitest, und dir dann nach und nach wirklich deine schriftliche Liste erstellst, was du verträgst. Im Restaurant dann z.B. Salat bestellen und Essig und Olivenöl SEPARAT verlangen. Histaminintoleranz ist normalerweise kein Dauerurteil, es liegen dann in der Regel tieferliegende Ursachen zugrunde, die nach und nach behoben werden sollten, sodass es dir mit der Zeit besser geht und du wieder mehr verträgst. Ich halte es NICHT für normal und empfehlenswert, dauerhaft auf einer Eliminationsdiät zu bleiben. Ansonsten gibt es auch noch ein paar Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel, die helfen, den Histaminspiegel zu senken, die ich zusätzlich viel verwende, damit ich mehr essen kann. Steht unten bei entzündungshemmende Lebensmittel. Hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen, ansonsten frag gerne. =)
    LG,
    Doro

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  • 26. Februar 2016 at 7:59
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    Vielen Dank, du hast mir sehr weitergeholfen. Ob ich eher auf Histamin oder Histaminliberatoren reagiere, muss ich noch selbst austesten. Ich vermute aber auch letzteres, da meine Ernährungsweise abgesehen von Tomaten ohnehin histaminarm ist. Ich esse nie Fermentiertes oder Eingelegtes, auch keine Wurstwaren, weil es mir einfach nicht besonders schmeckt. Die einzige Quelle für Histamin ist Obst und Gemüse. Aber das werde ich jetzt austesten 🙂
    Wenn das Vorkochen am Abend zuvor bei guter Kühlung kein Problem ist, bin ich sehr beruhigt. Sonst wäre es wirklich nicht praktikabel gewesen.
    Liebe Grüße

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    • Doro
      27. Februar 2016 at 11:17
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      Also bei mir ist es kein Problem, gibt aber auch andere, die da sehr empfindlich sind, das musst du für dich selbst ausprobieren! Da ist leider jeder verschieden, auch von Tag zu Tag, deswegen kann ich da keine allgemeinen Ratschläge geben. Höre auf deinen Körper, und wenn es jetzt nicht geht, dann irgendwann, wenn dein Körper etwas geheilt ist.

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