Bericht: 4. Symposium der Deutschen Gesellschaft für Paläoernährung

Am 1. Oktober besuchte ich das DGPE Symposium in der Goethe-Universität Frankfurt. Auf die DGPE bin ich durch die Paleoconvention aufmerksam geworden und freute mich jetzt riesig darauf, wieder einen Tag unter Gleichgesinnten zu verbringen, mit vielen lehrreichen Vorträgen aus der brandaktuellen Forschung zum Thema Gesundheit und Lebensstil. Im Foyer war es schon sehr voll, alle waren in angeregte Diskussion vertieft, es gab ein paar Infostände zu Supplementen, Therapien und natürlicher Bewegung und es war ein Bewirtungstisch mit Kaffee, verschiedenen Biotees und YEAH Kokosmilch, Mandelmilch und MCT-Öl aufgebaut. Dann ging es auch schon bald los im Hörsaal. Das Begrüßungswort sprach die 1. Vorsitzende, Dr. Sabine Paul vom Institut für Evolutionäre Gesundheit, ehemalige Mitarbeiterin im Senckenberginstitut und molekulare Evolutionsbiologin, außerdem Autorin des Buchs PaläoPower. Sie ging kurz auf die neuesten Schlagzeilen rund um das Thema Fleisch ein.

kullmerDen 1. Vortrag gab es von PD Dr. Ottmar Kullmer vom Senckenberginstitut mit dem Titel „Paläo-Cuisine – Erfolgsrezept auf dem Weg zum Homo sapiens“. Er sprach davon, dass der Mensch in seiner Entwicklungsgeschichte mit zwei großen Umschwüngen zu tun hatte, nämlich mit der neolithischen Revolution vor ca. 10000 Jahren, sowie der industriellen Revolution vor ca. 100 Jahren. Die Entwicklung des Menschen hat sich in verschiedenen Umwelten abgespielt. Zunächst lebten unsere Vorfahren in den tropischen Regenwäldern Afrikas, dann weiteten wir unseren Lebensraum aus auf die offene Savanne und erschlossen somit neue Ressourcen. Unsere Vorfahren hatten es mit verschiedenen Umweltbedingungen zu tun, z.B. mit einem Wechsel von Trocken- und Regenzeit. Während es in der Regenzeit mehr Früchte gab, musste man sich in der Trockenzeit mehr auf stärke- und faserreiche Speicherknollen verlassen.

Mehr Nahrungsflexibilität erlangten wir durch verschiedene Anpassungen, wie der Veränderung unserer Zähne und Kiefermuskulatur, der Beginn der Herstellung von Werkzeugen und der Domestizierung des Feuers. Im Laufe unserer Geschichte nahm der Kauapparat langsam an Größe ab, das Gehirn dafür zu. Auch die Morphologie der Zähne (Schmelzverteilung, Oberfläche) und unsere Darmflora veränderten sich.

Durch Zahnabnutzung und stabile Isotopenanalysen lassen sich inzwischen sehr genau Rückschlüsse auf die Ernährung ziehen. Fleisch war offenbar ein wichtiger Faktor in unserer Entwicklung. Je weiter nördlich man kommt, desto mehr steigt der Fleischkonsum an, aber grundsätzlich war die Verteilung an Makronährstoffen sehr gleichmäßig. Bei der Natufien-Kultur konnte aber auch schon der Verzehr von Hülsenfrüchten nachgewiesen werden, die in der Paläoernährung in der Regel ausgeschlossen werden.

Selbst unsere nächsten „Verwandten“ verschmähen Fleisch nicht, wenn sie die Möglichkeit bekommen. So wurde in Gorillakot Antilopen-DNA gefunden, Gibbons ernähren sich unter anderem von Insekten und Vögeln und Orang Utans wurden schon beim Fischen beobachtet.

Den 2. Vortrag bekamen wir zu hören von Dr. Jochen Hamatschek, Präsident der Gesellschaft Deutscher Lebensmitteltechnologen (und Marathonläufer!). Hier ging es um das Thema „Die Ethik des Tiere tötens – Sind Veganer die besseren Menschen?“ Derzeit gibt es etwa 0,7 Mio Veganer in Deutschland. Es ging darum, dass Lebensmittel Moral enthalten können und dass gewisse Ernährungsformen geprägt sind von Tabus. Die Begrenzung der Speisenauswahl ist eigentlich typisch für Religionen („Orthodoxie ersetzt durch Orthorexie“). Es stärkt das Gruppenzugehörigkeitsgefühl und sorgt für Abgrenzung nach außen. Eine Diät ohne eine Religion oder Ideologie dahinter funktioniert in der Regel nicht nachhaltig.

Bestimmte Speisen oder Tiere nicht zu essen kann alle möglichen Gründe haben. So essen Sumoringer keine vierbeinigen Tiere, manche Kulturen essen keine „feigen“ Tiere wie Hasen, manche nur „starke“ Tiere, um ihre Kraft zu übernehmen. Auch pragmatische Gründe können gegeben sein, so lohnt sich die Schweinezucht in Wüstenregionen nicht.

Eine Religion gibt Halt in einer schwer verständlichen Welt (u.a. durch klare Gebote) und erklärt sie, es gibt ein starkes Gemeinschaftsgefühl, ethische Werte, einen Verhaltenskodex, ein Belohnungs- und Heilsversprechen, definierte Regelverstöße und Sanktionen, was Schuldgefühle verursachen kann. Verzicht wird als radikale und elitäre Abkehr vom Mainstream der Wohlstandsgesellschaft geübt. Sie kann als Instrument zur sozialen Kontrolle, aber auch als auch spirituelle Disziplin genutzt werden.

Dann muss man aber auch die andere Seite sehen: Jeder Mensch isst in seinem Leben im Durchschnitt 1094 Tiere. Die meisten sind entfremdet gegenüber ihrem Essen. Da wir den Anblick eines ganzen, toten Tieres nicht ertragen, wird es oft stark verarbeitet und in die Form von Fischstäbchen und Chicken Nuggets gebracht. Bei Lebensmitteltechnologen bedeutet Wurstherstellung die Kunst, Wasser schnittfest zu machen (besteht zu ca. 70% aus Wasser).

idelDer 3. Vortrag wurde gehalten von Dr. med. vet. Anita Idel (Veterinärmedizinerin und Agrarwissenschaftlerin) über das Thema „Die Kuh ist kein Klimakiller: Zur Notwendigkeit nachhaltiger Beweidung für Welternährung, Bodenfruchtbarkeit und Klima“ (nach ihrem gleichnamigen Buch, sehr empfehlenswert, davon war ich sogar in meiner veganen Zeit begeistert!). Frau Dr. Idel kommt selbst aus der Massenproduktion und war Leadautorin am Weltagrarbericht. Laut Dr. Idel ist es nicht richtig, dass die natürliche Vegetation in Deutschland der Wald war, sondern Wiesen und Steppenlandschaften. Am Ende der Eiszeit gab es zunächst kein Baumwachstum, da es dafür zu trocken war. Der Begriff „Steppe“ ist im Allgemeinen sehr negativ besetzt, dabei kann sie unter richtiger Nutzung sehr fruchtbar sein! Kornanbau und Überweidung ist oftmals ein Grund für Versteppung. Allein 12-15 Tonnen fruchtbarer Boden gehen pro Jahr pro Hektar verloren beim Getreideanbau!

Böden wachsen durch starkes Wurzelwachstum des Grases, die Wurzeln werden irgendwann zu Humus. In Steppenböden sind somit die größten Kohlenstoffvorkommen gespeichert, was sie beim Wirken gegen den Klimawandel effizienter macht als Wälder, auch, da Gras eine längere Vegetationsperiode besitzt als Bäume, und somit länger Photosynthese betrieben und Kohlenstoff fixiert wird.

Studien, die ergeben, dass Kühe schlechte Futterverwerter sind und den Klimawandel antreiben, da sie viele Emissionen produzieren, haben sojagefütterte Kühe genutzt. Und es wird nicht der gesamte Kreislauf angeschaut, nämlich die gerade erwähnte Kohlenstoffspeicherung durch Photosynthese durch das Grasland. An diesem schlechten Image der Kuh verdient die chemische Industrie durch Düngerproduktion, dabei sollte man die Kuh einfach aus ihrem Massenstall wieder auf die Weide lassen. Grasland und Kuh sind gemeinsam evolviert und voneinander abhängig. Der Verbiss des Grases ist wichtig, und deswegen produziert Gras keine  nennenswerten Antinährstoffe, da es gefressen werden WILL um zum Wachstum angeregt zu werden. Viele Böden sind auch zu steinig, zu trocken oder zu sumpfig, um als Ackerland zu dienen, weswegen Beweidung durch Vieh die einzige Möglichkeit ist, um aus diesen Böden Nahrung für den Menschen zu gewinnen.

Deutschland stellt sich immer so dar, als würde es die Welt mit tierischen Produkten versorgen und wäre die große Exportnation. Aber das Soja für unser Vieh wird in Südamerika produziert! Dort kommt es wegen unserem hohen Konsum zu Bodenverarmung und hier dafür zu einem Stickstoffübermaß. Und obendrein machen wir weltweit die Märkte kaputt mit unserem Fleisch.

Nur etwas, was auf DAUER funktioniert, ist wirklich produktiv. Man kann nicht nur darauf gucken, was oben raus kommt, deswegen kann man nicht pauschal sagen, dass NUR Bioanbau in Deutschland nicht möglich wäre.

Auch Veganer sollten nicht nur an das denken, was sie schützen und nicht essen wollen, sondern auch an das, WAS sie essen. Wie wird es produziert? Man muss das Ganze sehen.


 

meinpaleoDanach gab es erst einmal Mittagspause. Die Bewirtung  wurde übernommen von Svenja Biermann von meinpaleo, die nach dem Grundsatz vorgeht: Einfach und saisonal. Es gab eine köstliche Süßkartoffel – Pastinaken Suppe, auf Wunsch mit Kokosmilch und Sonnenblumenkernen (finde ich immer gut, wenn das Essen im Bausatz angeboten wird), dazu Paleobrot (lowcarb), Bananenbrot, Kurkuma-Tomaten-Muffins, später noch bisschen was Süßes in Form von Aprikosen-Ingwer-Balls und Pflaumenmuffins. Mir fiel wie schon bei der Paleoconvention auf, dass hier alles viel entspannter und gesitteter abläuft als damals auf der Veggiworld, wo die Leute fast schon aggressiv und unverschämt um die hochglykämischen Snacks und Pröbchen kämpften.


 

schusterDann ging es weiter mit Vortrag Nr. 4 von Andreas Schuster (Physiotherapeut, Therapeut für klinische Psychoneuroimmunologie): „Eine Paläo-Wanderung auf Sardinien: Neuronale und metabole Biorhythmen sanieren mit Ernährung und Bewegung“. Er berichtet von einer sehr interessanten Therapieform, einer Wanderung durch die Wildnis Sardiniens mit verschiedenen Herausforderungen. Sie soll eine Rückkehr zum „urtümlichen Stress“ sein, der nur kurz und akut ist und ein Ende hat und einen aus dem chronischen Stress unseres heutigen Alltags herausreißt. Das Wandern schließt körperliche Herausforderungen ein wie Hitze, Kälte (regt die Schilddrüse wieder an, das Immunsystem wird gestärkt), Klettern, Barfußlaufen und Fastenzeiten, dem metabolischen Syndrom und einer Fettleber wird entgegengewirkt durch die nüchterne Bewegung. Die Rezeptorsensibilität (Insulin, Leptin, Dopamin…) wird erhöht, Entzündungswerte, Cholesterin und Triglyceride gehen runter, die Homöostase wird zurückerlangt. Es kommt zu einer epigenetischen Reprogrammierung.

Bei dieser Wanderung geht es darum, seinen Biorhythmus zurückzuerlangen. Es gibt kein künstliches Licht und keinen Wecker, jeder schläft so lange, wie sein Körper es vorgibt. Es wird nur gegessen, wenn man wirklich Hunger hat, damit genug Verdauungsenzyme produziert werden. Gleichzeitig braucht man genug Fastenstunden zwischen dem Essen, damit die Organe entgiften können. Laut Schuster ist ein zu regelmäßiges Essen und ständiges Trinken gar nicht empfehlenswert. Bei zu vielem Trinken können Wasser- und Mineralienrückhaltekanäle in den Nieren abgebaut werden! Lieber einzelne Male am Tag in größerer Menge auf einmal trinken. Dies führt sogar aufgrund einer Erhöhung des Natriumspiegels zu einem erhöhten Oxytocinspiegel, was für einen stärkeren Gruppenzusammenhalt sorgt.

Bei manchen Wanderungen wurden sogar Kaninchen gefangen und selbst geschlachtet und über dem Feuer zubereitet, was den Bezug und den Respekt vorm Tier zurückbringt. Ansonsten ist die Nahrung auf der Wanderung schlicht und sehr vollwertig.

schelkerVortrag Nr. 5 ging über „Fastende Tiere, Auswirkungen der Nahrungsrestriktion auf die Lebensspanne von Tier und Mensch“ von dem Anthropologen Bernd Schelker von NaturWerk Mainz. Wir in der westlichen Welt werden gebeutelt von anderen Krankheiten als die Menschen in Entwicklungsländern. Bei uns sind es eher die chronischen, die „Wohlstandserkrankungen“. Er ging daher auf die physiologischen Effekte der Nahrungsmittelrestriktion ein nach Fontana et al. (2010), nämlich unter anderem Verlängerung der Lebensspanne, Reduzierung altersbedingter Krankheiten, Erhöhung der Stressresistenz, Erhöhung des Zellschutzes gegen freie Radikale. Beim Fasten wird die „Autophagie“ eingeleitet (aufräumen von „Zellmüll“) und die Zellen gehen in eine Art Schutzmodus (wird auch mehr und mehr in Kombination mit Chemotherapie genutzt). Die Telomerverkürzung verlangsamt sich. Man muss bedenken, dass wir täglich etwa 10000 DNA-Schädigungen pro Zelle haben, was alles repariert werden muss! In anderen Worten: Tagtäglich werden Krebszellen bei einem jeden Einzelnen von uns ins Leben gerufen und wieder vernichtet, ein völlig normaler Vorgang. Es gibt sogar unsterbliche Zellen, nämlich die unserer Keimbahn und sogar unsterbliche Organismen, wie der Wasserorganismus Hydra. Alterung ist also kein zwangsläufiger Prozess!

lemkeDer 6. Vortrag wurde gehalten von dem Ernährungsmediziner Dirk Lemke von den Kliniken Schmieder Heidelberg zum Thema Kohlenhydrate in der Paläoernährung, Pathomechanismen der Hyperinsulinämie. Insulin ist ein Neuropeptid, das an vielen Stoffwechselwegen in unserem Körper beteiligt ist, nicht nur beim Glukosestoffwechsel. Es vermittelt die zelluläre Aufnahme von Vitamin C, aktiviert die Schilddrüse und stimuliert die Synthese von Glutathion, unser Masterantioxidans, welches z.B. oxidierte Lipide und AGEs neutralisiert und andere Antioxidantien regeneriert. All diese Vorgänge sind bei Diabetikern gestört. Insulin reagiert nicht nur auf Kohlenhydrataufnahme, sondern auch auf Fett und Protein.

Wir essen heutzutage etwa 23 Löffel Zucker am Tag, in Amerika sind es sogar 30! In unserem Blut sind eigentlich nur 4g Zucker gelöst, was durch unsere kohlenhydratreiche Ernährung aber deutlich überstiegen wird, und einen allmählich ins diabetische Spektrum reinrutschen lässt. Nach einem Glukoseverzehr gehen die Granulozyten im Blut hoch, der Vitamin E Spiegel sinkt, es kommt zu Zellmembranschäden und zum Anstieg von Reaktiven Sauerstoffspezies (ROS). Die Fähigkeit zur Phagozytose durch Neutrophile und die Lymphozytenplastizität wird verringert.

In niedrigen Breitengraden ist der Konsum von Kohlenhydraten von Natur aus höher, in höheren Breitengraden dafür der Konsum von Fett. Wieviel man individuell braucht und verträgt hängt aber von vielen weiteren Faktoren ab wie Stresslevel und wieviel Sonne man abbekommt. Heutzutage essen wir bis zu 6 Mahlzeiten am Tag, mit weniger als 3 Stunden zwischen den Mahlzeiten, dazu hochglykämische Snacks. Insulinresistenz stellt den wichtigsten Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen und Krebs dar, es sollte also immer darauf getestet werden! Viele Patienten mit nicht-alkoholischer Fettleber entwickeln ein Vorhofflimmern! Der wichtigste Indikator hier ist der Bauchumfang.

lemke_hauterkrankungenMan kann sogar unterschiedliche Resistenzen in verschiedenen Organen haben. Das sympathische Nervensystem ist am längsten insulinsensitiv, man hat dann aber auch eine chronische Stressantwort. Aus diesem Grund schläft man mit geringerer Kohlenhydrataufnahme besser.

Viele weitere Probleme korrelieren mit einer zu hohen Kohlenhydrataufnahme und Insulinresistenz wie hormonelle Verschiebungen (Frauen bilden mehr Testosteron und entwickeln z.B. eine stärkere Körperbehaarung, Männer dafür mehr Östrogen, entwickeln Männerbrust und Prostataerkrankungen), Polycystische Ovare, Schwangerschaftsverlust, alle möglichen Hauterscheinungen und –erkrankungen, Vertigo, Carpal Tunnelsyndrom, Tinnitus, Verlust an Muskelmasse, Glaukom…

Welche Möglichkeiten gibt es? Man muss nicht ins andere Extrem verfallen und Kohlenhydrate ganz streichen. Es hilft, ihren Verzehr individuell abzusenken, (intermittierend) zu Fasten oder intensiver Sport zu treiben.

kaemmererVortrag Nr. 7 stammte von Prof. Dr. Ulrike Kämmerer von der Universitätsfrauenklinik und Poliklinik Würzburg – „Warum Hirn und Darm Ketone brauchen“. Die Ketogene Ernährung kann Gefahren bieten, wenn zu wenig Gemüse und somit zu wenige komplexe Kohlenhydrate und Präbiotika (Ballaststoffe) gegessen werden, was zu Darmentzündungen führen kann. Ballaststoffe werden nämlich von der „guten Darmflora“ abgebaut und zu darmpflegenden kurzkettigen Fettsäuren umgewandelt, z.B. Hydroxybutyrat und Acetoacetat (Ketokörper, Ketone). Sie lassen auch die guten HDL-Werte ansteigen.

Gorillas leben im Grunde auch in erster Linie von Fettsäuren, die ihre Darmbakterien ihnen durch die Fermentation von Fasern zur Verfügung stellen. Affen im Zoo erleiden schnell eine Colitis, wenn sie mit zu viel Obst und zu wenig faserreichen Pflanzenteilen gefüttert werden.

Eine Studie von 2000 zeigte, dass das Keton Hydroxybutyrat Neuronen vor Alzheimer und Parkinson schützt. Traumatische Hirnverletzungen können zu einer Veränderung im Glukosemetabolismus führen. Die ketogene Ernährung sorgt für eine neuroprotektive Wirkung. Ketose sorgt ebenso für einen hohe GABA-Bildung (sehr relaxender Neurotransmitter, gegen Stress, Depression). Eine gewisse Form von Alzheimer wird als Diabetes Typ-3 bezeichnet. Dieses Gehirn kann mit Glukose nicht mehr arbeiten, aber mit Ketonkörpern. Die ketogene Ernährung sollte in der Regel kurweise angewendet werden, bei schwerer Erkrankung auch dauerhaft. Dabei muss der Magnesiumspiegel im Auge behalten werden, da mit Ketonkörpern auch mehr Mineralien ausgeschieden werden.

Zurzeit forscht Prof. Kämmerer viel mit der ketogenen Ernährung im Zusammenhang mit Brustkrebs.

tulipanAm Ende gab es noch einen Science Slam mit vier 10-Minuten Vorträgen. Den ersten hielt Julia Tulipan über Cholesterin, und auf welche Marker es wirklich ankommt. Es kam raus, dass die normalen Marker (Cholesterin, HDL und LDL) alleine nicht aussagekräftig sind. Sie können super aussehen, aber wenn die Teilchen die falsche Größenverteilung haben, kann man trotzdem ein hohes Artheroskleroserisiko haben. Der Mikronährstoffhaushalt und die Schilddrüse müssen hier in Betracht gezogen werden.

Den zweiten Kurzvortrag hielt Dr. rer. nat. Thomas Appl, Neurobiologe und Ernährungswissenschaftler, weitergebildet auf Archäologie (Archäopark Vogelherd Niederstotzingen, Experimentalarchäologe). Er ging auf den Stoffwechsel des Eiszeitjägers ein, mit einem BMI von 29 und einem Verbrauch von bis zu 7000 kcal pro Tag, soviel wie ein Tour de France Fahrer. Heutzutage wird unser Hypothalamus völlig durcheinandergebracht, da Süßigkeiten zu einer viel stärkeren Dopaminausschüttung führen als Beeren, die weniger Zucker bei hohem Sammelaufwand enthalten.

paulDr. Jochen Hamatschek hielt noch einen Kurzvortrag zum Thema „Die größte Innovation der Menschheit“ und ehrte die unbekannte Feuerbändigerin, die Person, die seiner Meinung nach weiblich gewesen sein muss, die das Feuer für unsere Vorfahren domestiziert hat. Dr. Sabine Paul bekam stellvertretend eine Auszeichnung dafür überreicht.

spitzProf. Dr. Jörg Spitz von der Akademie für menschliche Medizin (Nuklearmediziner, Ernährungsmediziner, Präventionsmediziner) sprach noch über Paläo als ideale Basis für die moderne Lebensstil-Medizin. Nur 4% der heutigen Weltbevölkerung sei ohne gesundheitliche Probleme und es gab einen 50%igen Anstieg des Verlusts von gesunden Lebensjahren (Studie 2015)! Der Einfluss von Umweltfaktoren ist entscheidend. Wir haben heutzutage keinen artgerechten Lebensstil mehr, unsere Umwelt passt nicht mehr zu unseren gut evolvierten Genen. Auch der Mutterleib ist schon eine Umwelt, ein System, das im Gleichgewicht sein muss! Was ist, wenn die Mutter fehlernährt ist, gestresst oder schädliche Medikamente einnimmt? Es führt zu starken epigenetischen Veränderungen.

gruppenbildAm Ende gab es dann noch die Mitgliederversammlung des DGPE, bei der Prof. Dr. rer. nat. Klaus Steger, Leiter des andrologisch-urologischen Forschungslabors der Uni Gießen, zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt wurde. Danach konnte noch wer wollte mit zum Abendessen fahren in einem schicken Restaurant, in dem der Verein extra ein Menü für uns vorbestellt hatte, das, so gut es möglich war, den Paläoanforderungen entsprach. Es gab einen schönen großen Salat mit Sonnenblumenkernen als Vorspeise und als Hauptspeise konnte man wählen zwischen Lachs auf Blattspinat, Wildgulasch mit Pilzrahmsoße und glutenfreien Nudeln und einem Ratatouille. Ich wählte zweiteres und habe es bei guten Gesprächen sehr genossen. Es war wirklich eine Wohltat, sich mit Gleichgesinnten über Essen, Lebensstil und den Alltag auszutauschen, ich habe wirklich nette Bekanntschaften gemacht, und auch gute Gespräche über Wissenschaft und unser System mit ein paar klugen und führenden Köpfen auf dem Gebiet der Evolutionsmedizin führen können. Ich war schlags-k.o. aber auch richtig erfüllt und dankbar für diesen spannenden Tag und schönen Abend! Was es nur noch perfekter gemacht hätte, wenn man das Ganze noch durch etwas Praxis aus dem Paläolifestyle aufgelockert hätte, und sein Gehirn zwischen den Vorträgen mit etwas Bewegungs- oder Entspannungsmaßnahmen aufgefrischt hätte. Da lässt sich auf jeden Fall noch viel machen und ich werde mit Sicherheit nächstes Jahr wieder mit dabei sein!

Nichts in der Biologie macht Sinn außer im Licht der Evolution! ~Theodosius Dobzhansky (1900 – 1975), Evolutionsbiologe

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